Lesung
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr
GYÖRGY KONRAD liest aus seinem Roman „Glück” (Suhrkamp Verlag).

György Konrád, geboren 1933 in Debrecen. Studium der Soziologie, Psychologie und Literatur. 1974 Verhaftung wegen eines gemeinsam mit Iván Szelényj verfassten Essays („Die Intelligenz auf dem Weg zur Klassenmacht”, Suhrkamp Verlag 1978), seither führende Position in der demokratischen Opposition Ungarns. In den 70er Jahren als Stipendiat und Gastprofessor mehrfach im Ausland. 1988/89 Engagement im Bund freier Demokraten (Ungarn), 1990-93 Präsident des Internationalen P.E.N.-Clubs. Mitbegründer der Bürgerrechtsbewegung „Demokratische Charta” in Budapest als Reaktion auf den zunehmenden Chauvinismus und Antisemitismus, seit 1997 Präsident der Berliner Akademie der Künste.
Preise und Auszeichnungen u.a.: Herder-Preis in Wien 1983; Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1991; Goethe-Medaille des Goethe-Instituts 2000; Karls-Preis der Stadt Aachen.
Buchpublikationen u.a.: „Die unsichtbare Stimme”, Essays, 1998; „Der Besucher”, Roman, 1999; „Der Nachlaß”, Roman 1999; „Der dritte Blick. Betrachtungen eines Antipolitischen”, 2001.

Zum Buch:
„ ‚Am 19. März 1944, als die Deutschen Ungarn besetzten, war ich elf Jahre alt. Wovor wir bisher nur Angst gehabt hatten, war nun eingetreten.’

Schon einmal nahm György Konrád das Ereignis der ‚Heimkehr’ am Ende des Kriegs zum Anlass, sich an jene Zeit zu erinnern. Es war der 18. Januar 1945, doch was er erinnerte, war nicht genug. Je mehr zeit vergeht, um so deutlicher, vollzähliger werden die Bilder. György Konrád ruft sie ab, nicht nur die der Rückkehr, auch die der Abreise, nicht nur die der Schrecken, auch die des Glücks.
Glück war, die Stadt Budapest, den Ort des Kriegs, des Schreckens, der Verwüstung zu verlassen. Die beiden Kinder, der elfjährige Bruder und die vierzehnjährige Schwester Eva, hatten sich aus dem Haus der Eltern davongemacht, nachdem die Eltern verschleppt worden waren; sie waren untergekommen in einem Haus mit gelbem Stern, hatten das Unheil in seiner Schonungslosigkeit gesehen und auch, am Fenster stehend, das Ende des Kriegs, den Beginn der Rückkehr. An diesen Traum hatte sich der Junge gehalten, es war das Bild des Hauses der Kindheit in seinem Heimatdorf mit all seinen Geborgenheiten, der Wärme, der Vollzähligkeit. Auch die Eltern kamen zurück. Der Vater packte zu und richtete nach dem Vorbild aus Friedenszeiten das Geschäft wieder ein. Der Sohn ging in die Schule zurück und begriff, er war der Einzige, der überlebt hatte. Er begriff auch : ‚Mein Vaterland, so glaube ich, wollte mich töten.’”
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