Georg Trakl 1914 - 2014
Vortrag

ALFRED DOPPLER:
Sebastian im Traum. Georg Trakl zum 100. Todestag

Rahmenprogramm zur Ausstellung "gesammelt, gelesen, gewidmet". BÜCHER AUS BIBLIOTHEKEN VON SCHREIBENDEN
Zum Vortrag:
„Sebastian, der von Pfeilen durchbohrte Märtyrer, war um 1900 ein Zentralmythos für die Darstellung der künstlerischen Existenz. Selbstporträts von Oskar Kokoschka und Egon Schiele in Sebastian Pose weisen darauf hin, auch Alfred Kubin zeichnete einen Sebastian, den eine grölende Menge verhöhnt. In den frühen Gedichten Trakls finden sich noch keine Hinweise auf Sebastian; neben Einflüssen des französischen Symbolismus und der Kunstauffassung Nietzsches beruft sich Trakl auf seine ,heiß errungene Manier, die in vier Strophenzeilen vier einzelne Bildteile zu einem einzigen Eindruck zusammenschmiedet.’ Dieser Zeilenstil bestimmt weithin seinen ersten Gedichtband. Im Mai 1912 gibt es den ersten Hinweis, dass Sebastian für Trakl eine Autorfiguration ist. Im März 1914 legt Trakl dem Kurt-Wolff-Verlag seinen 2. Gedichtband vor mit dem Titel ;Sebastian im Traum’. Sebastian selbst tritt allerdings nicht auf, aber er wird in den Sprechinstanzen der Gedichte erahnbar: als Fremdling, als Einsamer, als Schauender, als Gerechter, vor allem aber als Träumender, der seine Gesichte, Visionen und Rauschträume (,Trunken vom Safte des Mohns’) in streng komponierte musikalische Formen gießt. Eine autobiographische Perspektive, in der ein Schuldgefühl, ausgelöst durch einen tatsächlichen oder fantasierten Geschwisterinzest, in bohrender Umkreisung abgehandelt wird, weitet sich aus zur Darstellung einer zeitgeschichtlichen Situation, die auf den Ersten Weltkrieg zusteuert. (...)” (Alfred Doppler)

ALFRED DOPPLER, geboren 1921, Lehrtätigkeiten an den Universitäten München und Graz, Gastprofessuren in Middlebury, Pécs und Szeged. Von 1971-1991 Professor für österreichische Literatur in Innsbruck. Herausgeber der Historisch-Kritischen Gesamtausgabe der Werke und Briefe Adalbert Stifters. Publikationen: „Der Abgrund. Studien zur Bedeutungsgeschichte eines Motivs”, Wien-Köln 1968; „Wirklichkeit im Spiegel der Sprache. Aufsätze zur Literatur des 20. Jahrhunderts in Österreich”, Wien 1975; „Geschichte im Spiegel der Literatur. Aufsätze zur österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts”, (2. Auflage) Innsbruck 1991; „Die Lyrik Georg Trakls. Beiträge zur poetischen Verfahrensweise und zur Wirkungsgeschichte”, (2. Auflage) Salzburg 2001; Zahlreiche Aufsätze u. a. zu Hölderlin, Stifter, Schnitzler, Trakl, E. Canetti, Horváth, Wiener Gruppe, Th. Bernhard.
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