Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945
Donnerstag, 9. April 2015
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19:30 Uhr

VEZA CANETTI: Die Gelbe Straße. Roman
Kommentierte Lesung: JULYA RABINOWICH
Referat: JULIA DANIELCZYK
Moderation: KLAUS KASTBERGER

Ein Gemeinschaftsprojekt der Alten Schmiede Wien
und des StifterHauses

„Erst in den 1990er Jahren sind Veza Canettis Roman ,Die Gelbe Straße, und ihre Erzählungen in Buchform erschienen. ,Die Gelbe Straße’ (gemeint ist die Ferdinandstraße) liest sich als groteske Darstellung des Mikrokosmos in der ehemals jüdischen Leopoldstadt, die als Zentrum für Lederwaren-Händler galt. In atmosphärischer Dichte erzählt Veza Canetti vom (Zusammen)Leben in der nach der Farbe des Leders benannten Straße, sie überhöht die Figuren, gibt ihnen sprechende Namen und blickt mit der Frage nach den sozialen Umständen auf die Verhältnisse. In der Re-Lektüre überzeugt ,Die Gelbe Straße’ auch als Warnung vor der aufkommenden faschistischen Ideologie. (Julia Danielczyk)

VEZA CANETTI, geboren als Venetiana Taubner Calderon 1897 in Wien, gestorben 1963 in London. Sie maturierte 1915 und arbeitete dann als Lehrerin, Übersetzerin und Lektorin. 1924 lernte sie bei einer Vorlesung von Karl Kraus Elias Canetti kennen. In der Wiener Arbeiter-Zeitung erschien 1933 in Fortsetzung ihre Erzählung „Der Kanal” - ein Kapitel aus dem späteren Buch „Die Gelbe Straße”. 1934 heiratete sie Elias Canetti, mit dem sie 1938 nach London floh. 1939 wurde sie Mitglied des Free Austrian PEN, ab 1947 arbeitete sie wieder als Lektorin. Veza Canetti publizierte im Malik-Verlag sowie in Exilzeitschriften. Sie übersetzte u.a. aus dem Englischen, etwa Graham Greene. Ihre Bücher wurden erst in den 1990er Jahren wieder- bzw. erstmals entdeckt. („Die Gelbe Straße”, Roman, 1990; „Der Oger”, ein Stück, 1991; „Geduld bringt Rosen”, Erzählungen, 1992; „Die Schildkröten”, Roman, 1999; „Der Fund”, Erzählungen und Stücke, 2001; Veza und Elias Canetti: „Briefe an Georges”, 2006.)

JULYA RABINOWICH, geboren 1970 in St. Petersburg, Autorin und bildende Künstlerin. 1977 Emigration, Studium an der Dolmetschuniversität Wien und an der Universität für angewandte Kunst Wien (Schwerpunkt Malerei und Philosophie). Rauriser Literaturpreis für ihren Debütroman „Spaltkopf”, 2009. Weiters erschienen die Romane „Herznovelle”, 2011 und „Die Erdfresserin”, 2012. 2015 Elias-Canetti-Stipendiatin der Stadt Wien.

JULIA DANIELCZYK, geboren 1972 in Wels, Literatur- und Theaterwissenschaftlerin. Seit 2013 Literaturreferentin der Kulturabteilung der Stadt Wien; Literaturkritikerin und Lehrbeauftragte; zahlreiche Publikationen zur österreichischen Literatur und zum Theater, zuletzt „Unerwartete Entdeckungen. 2013.
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