Vortrag und Buchpräsentation
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Vortrag: ALFRED DOPPLER: Hugo von Hofmannsthal als Lyriker und Theaterautor (1874-1929). (Zum 130. Geburtstag und 75. Todestag)

Buchpräsentation: KARLHEINZ ROSSBACHER: Literatur und Bürgertum. Fünf Wiener jüdische Familien von der liberalen Ära zum Fin de Siècle. (Böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar).

Alfred Doppler, geboren 1921 in Linz; 1968-1971 Lehrtätigkeit an den Universitäten München und Graz; 1971-1991 Professor für österreichische Literatur in Innsbruck und Gastprofessor an der German School in Middlebury (Vermont). Herausgeber der Historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke und Briefe Adalbert Stifters. Arbeiten u. a. über Hölderlin, Grillparzer, Stifter, Trakl, Musil, Broch, Hofmannsthal, Schnitzler, Joseph Roth, Horváth, Canetti, George Saiko und die Wiener Gruppe.

Und mein Teil ist mehr als dieses Leben
Schlanke Flamme oder schmale Leier.
Die beiden Verse aus dem Gedicht „Manche freilich …”, die Hofmannsthal auf seinen Grabstein setzen ließ, deuten das poetische Programm an, das er in seinem Leben verwirklichen wollte. - Hofmannsthal wuchs in einer Zeit heran, in der die sozialen und nationalen Gegensätze mit dem Schönheitsschleier der Kunst überdeckt werden sollten. Kostbare, in einer musikalisch klingenden Sprache geschriebene Verse, die bereits der Gymnasiast veröffentlichte, entspringen einer Haltung, von der Hofmannsthal nicht nur angezogen, sondern auch abgestoßen wurde. In dem lyrischen Einakter „Der Tor und der Tod” tritt das Unbehagen an der ästhetisierenden Bürgerlichkeit schon 1893 deutlich zu Tage.
Die monologische Lyrik wird allmählich fragwürdig; und das führt zu Versuchen, sich in einer Form mitzuteilen, die jenseits einer beschwörenden magischen Sprache liegt. Der Dialog löst den Monolog ab, aber auch die sprachlosen künstlerischen Ausdrucksmittel des Tanzes und der Musik erfahren eine besondere Wertschätzung. So folgt bei Hofmannsthal auf die lyrische Phase seines Werkes die Auseinandersetzung mit der griechischen Tragödie (Ödipus, Elektra) und in der Folge die Zusammenarbeit mit Richard Strauß, für den Hofmannsthal „Dichtungen für Musik” schreibt (Elektra, Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos).
Verstört durch den Zusammenbruch des alten Österreich und den Folgen des Ersten Weltkriegs, wendet sich Hofmannsthal am Ende seines Lebens verstärkt dem Sozialen zu und den versäumten Möglichkeiten einer machtlos gewordenen ständischen Gesellschaft. Im „Jedermann” und im „Großen Salzburger Welttheater” bezieht er sich auf diese neue gesellschaftliche und politische Situation. Schließlich stellen sich im Sprechen und Nicht-Sprechen, im Verstehen und Missverstehen, im Mitteilen und Verschweigen in den Lustspielen „Der Schwierige” und „Der Unbestechliche” die Figuren selber dar.
Der Vortrag versucht, diese Phasen im Werk Hugo von Hofmannsthals aufeinander zu beziehen und darzustellen.

Karlheinz Rossbacher, Dr. phil., geboren 1940 in Waidegg, Kärnten, studierte Germanistik und Anglistik in Wien, Innsbruck und Salzburg. Fulbright-Stipendiat an der University of Kansas, Lawrence, USA; Gastprofessuren an in- und ausländischen Universitäten, u. a. an der Stanford University. Rossbacher lehrt als Professor für germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Salzburg. Zahlreiche Publikationen zur deutschen und österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, zum Themenbereich dieses Buches u. a. „Literatur und Liberalismus. Zur Kultur der Ringstraßenzeit in Wien”, 1992.

Das Buch verbindet Literatur- und Kulturgeschichte mit Biographien aus fünf Wiener Familien: Wertheimstein, Gomperz, Todesco, Auspitz und Lieben. Ihr Großbürgerstatus war in Wirtschaft, Bankwesen, Wissenschaft und parlamentarischer Politik verankert. Ihnen entstammten wichtige Träger der Modernisierungsprozesse in Österreich, vor allem aber auch des zeitgenössischen Literatur- und Kulturlebens in Wien. Aufklärung und ästhetische Bildung waren lebensprägend und sicherten die Assimilation. Am Beispiel dieser Familien werden, gleichsam in einer Nussschale, wesentliche ideen- und sozialgeschichtliche Strömungen und Phänomene nach 1848 dargestellt. (Klappentext)
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