Grundbücher der österreichischen Literatur ab 1945
Dienstag, 19. Oktober 2004
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

HEIMITO VON DODERER (1896-1966): Die Dämonen. Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff. Roman (Biederstein, 1956).

Kommentierte Lesung: ROBERT MENASSE (Wien)
Vortrag: WENDELIN SCHMIDT-DENGLER (Universität Wien)

Mit seinen "Dämonen" (1956) wollte Doderer einen Roman schreiben, der sein Substrat mit dem unter diesem Titel bekannten Roman Dostojewskis teilte: Skandal und Revolte. Doderers "Dämonen" gipfeln im Brand des Justizpalastes am 15. Juli 1927. Die virtuose Verknüpfung der
verschiedenen Handlungsstränge kann über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß Doderer sein Ziel nicht erreichte, nämlich alle ideologischen Beimengungen auszuräumen. Aber es sind gerade die Widersprüche und Risse, die das Werk für den heutigen Leser interessant machen, und im Scheitern werden die Probleme und Aporien des Erzählens deutlich wie kaum in einem anderen großen Roman der Nachkriegszeit.
(Wendelin Schmidt Dengler)

Heimito von Doderer wurde als Franz Carl Heimito Ritter von Doderer in Hadersdorf/Weidlingau bei Wien geboren. 1914 Aufnahme des Jura-Studiums an der Universität Wien. 1915 Einrückung als Einjährig-Freiwilliger. Teilnahme am Russland-Feldzug an der galizischen Front, anschließend Kriegsgefangenschaft in Sibirien. Nach der Heimkehr Studium der Geschichte und Psychologie, 1925 Promotion. 1927-1931 zahlreiche Feuilleton-Beiträge in Wiener Zeitungen. 1933 Eintritt in die NSDAP. 1936 Abschluss des 1. Teils der ”Dämonen”, Übersiedlung nach Dachau; Verlagsvertrag mit C. H. Beck.
1938 Rückkehr nach Wien, Scheidung von seiner ersten Frau. 1940 Konversion zum katholischen Glauben, Einberufung zur Luftwaffe. Nach Stationen in Frankreich und Russland und an anderen Kriegsschauplätzen Internierung in Norwegen. 1946 Ankunft in Linz und Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, Rückkehr nach Wien. Berufsverbot wegen NSDAP-Mitgliedschaft. 1948-1950 Kurs am Institut für österreichische Geschichtsforschung.
1952: 2. Ehe mit Emma Maria Thoma; 1958 Großer Österreichischer Staatspreis. Doderer stirbt am 23. Dezember 1966 im Rudolfinerhaus in Döbling.
Buchpublikationen u. a.: ”Ein Mord den jeder begeht”, Roman, München 1938; ”Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre”, Roman, München 1951; ”Die Dämonen. Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff”, Roman, München 1956; ”Die Wasserfälle von Slunj”, Roman, München 1963; ”Unter schwarzen Sternen”, Erzählungen, München 1966; ”Meine neunzehn Lebensläufe und neun andere Geschichten”, Zum 70. Geburtstag des Autors. Mit 19 Fotos und einer Schallplatte, Müchen 1966.
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