Buchpräsentation
Dienstag, 16. November 2004
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr

BARBARA FRISCHMUTH: Der Sommer, in dem Anna verschwunden war. Roman (Aufbau-Verlag)
Lesung mit der Autorin

Barbara Frischmuth, geboren 1941 in Altaussee/Steiermark, studierte Englisch, Türkisch, Ungarisch und Orientalistik. Seit 1967 freie Schriftstellerin und Übersetzerin. Gründungsmitglied der Grazer Autorenversammlung. Sie erhielt zahlreiche Preise, u. a. 1973 den Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie für Literatur und 1999 den Franz Nabl Literaturpreis. Barbara Frischmuth lebt in Altaussee. Sie schreibt Gedichte, Erzählungen, Hörspiele und Romane.
Im Aufbau-Verlag erschienen bereits zahlreiche Bücher von Barbara Frischmuth, zuletzt die Romane, „Die Schrift des Freundes” (1998); „Die Entschlüsselung” (2001) sowie die literarischen Gartentagebücher „Fingerkraut und Feenhandschuh” (1999) und „Löwenmaul und Irisschwert” (2003).

Zum Buch:
„Am Nachmittag kam Omo mit zwei Koffern und mehreren Taschen vom Bahnhof. Den einen Koffer hatte er am Gepäckträger seines Fahrrads festgeschnallt, den anderen zog er auf Rollen hinterher. Die Reisetaschen hingen rechts und links von der Lenkstange, und er hatte alle Hände voll zu tun, um das Gleichgewicht zu halten. Omo war in Wirklichkeit viel kleiner als sein Körper, und so kam es öfter zu Verwechslungen. Nicht einmal Ali-baba wußte wirklich Bescheid. Darum sagte Omo fast nie etwas. Er wußte, daß er sich, wenn er sprach, leicht verraten konnte. Wenn es trotzdem sein mußte, gab er Sätze von sich, die er von älteren Freunden gehört hatte, damit konnte ihm nicht viel passieren. Nur zu Inimini sagte er offenbar, was er dachte. Zumindest hatte er es damals getan, als sie das Wort von der Wand kratzten, das jemand an die Hausmauer gesprüht hatte, nachdem Anna-anne verschwunden war.” (Textauszug)

„Omo, seine Schwester Inimini und ihr Vater Ali-baba haben sich still eingerichtet in einem Alltag ohne Anna-anne, der Mutter, die eines Tages spurlos verschwand. Für den aus der Türkei geflohenen Ali brach Anna ihr Studium ab und ging mit ihm zurück in ihre kleine Heimatstadt. Ihr Leben lang träumte Anna von einer Reise in den Irak, doch dann kamen die Kinder, der Gastwirtschaftsbetrieb, der immer schlechter lief, beide Elternteile mussten wieder kellnern. Annas unvermitteltes Verschwinden kann sich niemand erklären. Ali und den Kindern war nie etwas aufgefallen. Sie warten und suchen. Ali wird noch schweigsamer, seine Tochter Inimini besinnt sich auf ihre türkischen Wurzeln, trägt ein Kopftuch und besucht die Koranschule. Anstelle Annas taucht Großmutter Irene plötzlich auf. Sie nimmt den Haushalt in die Hand und bemüht sich endlich, das Leben, das ihre Tochter so lange führte, besser zu verstehen. Weil Anna auf ihrem Glücksanspruch beharrt hat, beginnen auch die anderen intensiver zu leben.
Barbara Frischmuth lässt ihre Figuren abwechselnd zu Wort kommen. Aus deren Stimmteppich ergibt sich ein Bild des Verschwundenen - ein Spiegelbild ihres Wesens im Bewusstsein der anderen. Ist Anna etwas geschehen oder hat sie sich davongestohlen, um etwas Leben nachzuholen.” (Verlagstext)
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