Grundbücher der österreichischen Literatur ab 1945
Dienstag, 8. März 2005

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

ANDREAS OKOPENKO: Lexikon-Roman einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen in Druden (1970).

Lesung: ANDREAS OKOPENKO, Referat: UNIV.-PROF. DR. KONSTANZE FLIEDL
Konzeption: KLAUS KASTBERGER und KURT NEUMANN

Andreas Okopenkos „Lexikon Roman” ist ein Grundbuch der Literatur nach 1945,

weil er zu den philosophischesten Texten der Epoche gehört: Womit sich die Theoretiker sonst herumschlagen - Identität, Simultaneität, Virtualität -, behandelt er auch, aber aufgelöst in einen Wirbel funkelnder kleiner Prosastücke, die alle Denkschwere leichtfüßig hinter sich lassen. Obwohl er so tut, als folge er einer der ehrwürdigsten Ordnungen des Wissens, nämlich dem Alphabet, und sich in Lexikoneintragungen gliedert, haben seine Originalität und sein Einfallsreichtum die betreffenden Register längst vorher gesprengt;

weil er zu den sinnlichsten Texten der Epoche gehört: Neugierig, undressiert und politisch völlig unkorrekt verhält er sich zum Essen und zur Liebe und bevorzugt in jedem Fall die Fülle. Was ihn beschäftigt, mag appetitlich sein oder anal - seine Sprache gibt allen Sinnesorganen imaginativ was zu tun und erzeugt Geruch, Geschmack und hautnahes Gefühl;

weil er zu den witzigsten Texten der Epoche gehört: Dieser Roman einer „sentimentalen Reise” wechselt blitzschnell vom Kasperlspaß zur sublimen Pointe. Was er da als komische Revue inszeniert, ist am Ende ein Panorama seiner Zeit geworden.

Andreas Okopenko, geboren am 15. März 1930 in Košice / Slowakei. Studium der Chemie an der Universität Wien. Industrieangestellter, Betriebsabrechner. Lektor der Kulturzeitschrift „Neue Wege”. Herausgeber der „publikationen einer wiener gruppe junger autoren”. Seit 1968 freiberuflicher Schriftsteller. Gründer des „Situations-Kollektivs” zur sozialen Lage der Schriftsteller, Herausgeber mehrerer Nachlässe. Seit 1991 Teamarbeit bei „Libraries of Mind” zur Digitalisierung des „Lexikon-Romans”. Seit 1991 Präsidialmitglied der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft. Lebt in Wien.
Preise und Auszeichnungen u. a.: 1965 Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie für Literatur; 1968 Österreichischer Staatspreis des BMfUK für Erzählungen; 1993 Literaturpreis der Hertha-Kräftner-Gesellschaft Großhöflein/Brgld.; 1998 Großer Österreichischer Staatspreis; 2002 Georg-Trakl-Preis für Lyrik.
Stücke, Hörspiele, Film. Bücher u. a.: „Lexikon-Roman. Lexikon einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen in Druden”, Salzburg-Wien 1970; „Traumberichte”, Linz 1998; „Kindernazi”, Neuauflage der Erstausgabe von 1984, Klagenfurt-Wien 1999; „Gesammelte Aufsätze und andere Meinungsausbrüche aus fünf Jahrzehnten”, 2 Bände, Klagenfurt-Wien 2000 und 2001; „Streichelchaos”, Spontangedichte, Klagenfurt-Wien 2004.

Konstanze Fliedl, Professorin für Neuere deutsche Literatur am Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg. Studium der Deutschen Philologie, Kunstgeschichte und Theologie in Wien. Habilitation 1997 („Arthur Schnitzler. Poetik der Erinnerung”, Wien 1997). Vorsitzende der Arthur Schnitzler-Gesellschaft. Forschungsschwerpunkte: Literatur der Jahrhundertwende, Literatur von Frauen, Editionstechnik. Zahlreiche literaturkritische Arbeiten; Publikationen zu Canetti, Bachmann, Haushofer, Jelinek u.a. Zuletzt herausgegeben: „Österreichische Erzählerinnen” (München 1995), „Peter Rosegger - Ludwig Anzengruber: Briefwechsel” (m. K. Wagner; Wien 1995), „Das andere Österreich” (München 1998), „Elfriede Gerstl” (m. C. Gürtler; Graz 2001), „Geschlechter” (m. F. Aspetsberger; Innsbruck 2001), „Arthur Schnitzler: Lieutenant Gustl” (Stuttgart 2002), „Judentum und Antisemitismus” (m. A. Betten, Berlin 2003), „Arthur Schnitzler im 20. Jahrhundert” (Wien 2003), „Andreas Okopenko” (m. C. Gürtler, Graz 2004).
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