Buchpräsentation
Dienstag, 12. April 2005
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

ERICH HACKL (Hrsg.): Das Weinen des Jaguars. Gedichte und Prosastück des Maya-Dichters HUMBERTO AK’ABAL. Erschienen in der Edition Thanhäuser, Ottensheim.
Lesung der Originaltexte mit dem Autor, die deutsche Übersetzung liest der Herausgeber.

Humberto Ak´abal wurde 1952 in Momostenango in der guatemaltekischen Provinz Totonicapán geboren. Er war u. a. Schafhirte, Teppichweber, Marktfahrer, Hilfsarbeiter, ehe er in K´iché zu schreiben begann. Der Maya-Dichter übersetzt seine Gedichte selbst ins Spanische und gilt als der erfolgreichste indianische Autor unserer Zeit. Auf dem Weg dorthin hatte er sich auch gegen diskriminierende Widerstände guatemaltekischer Kollegen zu behaupten.
Von Humberto Ak’abal sind bisher zwei Gedichtbände auf deutsch erschienen: „Trommel aus Stein”, deutsch von Erich Hackl, Zürich 1998; Uxaq che’ xuquje ik’. Hojas y lunas. Blätter und Mond” deutsch von Juana und Tobias Burghart, Dürnau 1998.

„ … Österreich, das war das erste internationale Reiseziel des Dichters aus Momostenango, deutsch die erste Sprache, in die seine Verse übertragen wurden. Inzwischen ist er in vielen Ländern Amerikas, Europas und des Fernen Ostens unterwegs gewesen, wurde mit drei angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet (dem Prix Blaise Cendrars, dem Premio Continental Canto de América und dem Premio Pier Paolo Pasolini) und in zahlreiche Sprachen übersetzt, so dass wohl die Vermutung zutrifft, Humberto Ak’abal sei nach dem Nobelpreisträger Miguel Ángel Asturias der meistübersetzte Schriftsteller Guatemalas. …
Die Gedichte, die er schreibt, sind kurz, kaum eines geht über eine Seite. Von zwanzig oder dreißig Verszeilen, die er zu Papier bringt, bleiben letztlich nur vier oder fünf stehen. ‚Damit die Leser daran teilhaben und ein Gedicht leichter im Gedächtnis behalten, wenn es ihnen gefällt.’ Der Vorwurf, er würde sich schreibend wiederholen, ficht ihn nicht an. Schließlich gebe es nicht mehr als drei gültige Themen: die Liebe, das Leben, den Tod. ‚Alle Dichter zu allen Zeiten und jeden Alters, in allen Sprachen und Kulturen beschäftigen sich immer nur mit diesen Themen.’
Es hat lang gedauert, bis Humberto Ak’abal einen Verlag für seine Gedichte gefunden hat. Noch länger brauchte es, bis ein guatemaltekischer Verleger bereit war, die Gedichte auch im Original, auf K’iche’, zu drucken. Wie alle indigenen Sprachen galt das K’iche’ als nicht literaturfähig, und es ist das Verdienst des Autors, diese Auffassung widerlegt zu haben. Aber er ist kein Purist und hat auch kein archäologisches Interesse an seiner Muttersprache - er nützt sie als genuines Ausdrucksmittel seiner Erfahrungen und Erinnerungen, überträgt die Gedichte jedoch ins Spanische, wie er auf Verständigung aus ist - auch mit seinen Übersetzern, die des K’iche’ nicht mächtig sind. Er verwendet die Sprache übrigens nicht nur als Mittel, sondern immer wieder als Material für Lautgedichte, in denen er Lieder, Litaneien und Geräusche reproduziert. …
Er bietet uns die Möglichkeit zu erkennen, dass Momostenango einzigartig und zugleich überall ist. Die Gedichte sind unschwer zu verstehen, die Menschen, Tiere und Naturerscheinungen bleiben in ihnen lebendig. …”
(Erich Hackl)
 Zurück
IMPRESSUM © 2016 Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich / StifterHaus – Literatur und Sprache in OÖ.
Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

weiter >>
(Nach)SommerTag<br />20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

(Nach)SommerTag
20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

weiter >>