Buch- und Verlagspräsentation
Montag, 23. Mai 2005
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Literaturverlag Droschl präsentiert AutorInnen des Verlages und ihre neuesten Bücher:
CLARISSA STADLER: N.; HANSJÖRG ZAUNER: die ofensau muss raus.

Clarissa Stadler, geboren 1966 in Wien, abgeschlossenes Wirtschaftsstudium (1993), seit 1990 Texte und Beiträge für >Falter< und >Der Standard<.1989 freie Mitarbeit in der ORF Radiosendung >Musicbox<, seit 1997 bei ORF/Fernsehen.

Ein Winter in der Stadt. N. ist einer, der sich treiben lässt. Weil es sich so ergeben hat. Zwischen fadenscheinigen Parties und dem nächsten Espresso bleibt manchmal der Geruch einer Frau. Sein Freund Paul ist Künstler und träumt von Revolution, den größten Freiheitskampf führt er gegen seine Kontaktlinsen. Mitten in N.`s Großstadttrance platzt Xenia; sich ihrer Unberechenbarkeit auszuliefern, scheint ihm das letzte große Abenteuer. Außer dem Üblichen passiert nicht viel, nur ”über den Häusern ist ein Hubschrauber zu hören. Das Knattern pflanzt sich als Druckwelle eines Unglücks fort, das aus der Ferne vage bleibt.”

In ihrem beeindruckenden Debut zeichnet Clarissa Stadler eine Welt, unter deren leicht zu entsorgender Oberfläche Vernissagen, Bars, Shopping verstörende Prozesse am Werk sind. In diesem Prosastück tritt auf spannende Weise zutage, was sonst unsichtbar bleibt (wenn wir uns zu sehr auf Geschichten und Erzählungen konzentrieren, in denen ja nur unsere Wahrnehmung verklumpt): Idealismus, Lethargie, Gewalt.
Was in dieser Erzählung zur Sprache kommt, sind nur die Geräusche aus der näheren und weiteren Ferne. Aber der Boden, auf dem wir uns bewegen, schwankt in den schnellen, kurzen Kapiteln steigern sich, in einer Abfolge kompakter, verdichteter Momente, allmählich, Unsicherheit und Bedrohung.

Hansjörg Zauner, 1959 in Salzburg geboren, Kindheit und Jugend am Hallstättersee. Lebt in Wien und Obertraun. Dichtung, visuelle Arbeiten, Super 8 Filme. Zauner erhielt 1993 den Preis des Landes Salzburg für Lyrik, 1996 den Reinhard Priessnitz Preis, 2001 den Siemens Literaturpreis und 2003 den Förderpreis zum Heimrad Bäcker Preis.Zahlreiche Veröffentlichungen, davon bei Droschl: luft verkehrt stock papier (Gedichte, 2001), JOLLY (Prosa, 1999), laermleinen vor huefte gekehlt (1995), zerschneiden das sprechen (1989).

Hansjörg Zauner ist eine Ausnahme unter den Avantgardisten seiner Zunft. Bei diesem seinem zweiten größeren Prosaband ist kein Wort, was es zu sein scheint, kein Satz ist ohne Irritation, kein Absatz ohne Rätsel.
Seine komischen Abenteuergeschichten handeln von unidentifizierbaren Helden und wir haben manchmal den Verdacht, es sind vielleicht die Wörter oder sie erzählen vom Dichter selbst (”bekannt wurde ich also als worteaufschlitzer. ich bin der einzige dem es gelingt worte aufzuritzen. ich bin der einzige der mit seinem gesamten körper hineinsteigen kann. so verschwinde ich auch für einige zeit”), sie erzählen von Unfällen in und mit der Sprache, wenn Sinn und Metaphorik, Lautkörper und Textgestalt in hoher Geschwindigkeit (aber auch mit Bedacht) aufeinanderprallen. Auf der ersten Seite stehen wir noch einer Fremdsprache gegenüber, wir kennen den Klang, aber der Sinn ist weg; und auf der zweiten Seite schon beobachten wir fasziniert, wie sich ein Comic entwickelt, ein fremdsprachiger Film ohne Untertitel, ein turbulentes Geschehen ohne Motivation und eingehaltene Gesetze. Kann es dafür überhaupt Regeln geben, etwa wenn ”eine concorde in diesen text hineingeschlitzt” ist, ”tausend teile wild verstreut umher liegen. splitter. metallsplitter. geruchssplitter. Textsplitter”?
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