Linzer Vorträge zur deutschen Sprache (14)
Montag, 9. Mai 2005
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Von „anlassig” bis „Zumpferl”
Die schönste Sache der Welt im Spiegel der deutschen Sprache
Referent: DR. WOLFGANG MÜLLER (Mannheim)

Sexualität ist immer eng mit Sprache verbunden. Die Art, wie man über Sexualität und Liebe spricht, drückt zugleich das Verhältnis zur Sexualität und zum Partner, zur Partnerin aus. Ebenso viel drückt es aber aus, wenn man über Sexualität nicht spricht oder nicht sprechen kann. In den letzten Jahrzehnten erst hat man das pädagogische Problem gesehen, dass für eine sinnvolle Sexualerziehung das Vokabular fehlte. Zwischen den dialektalen Wörtern, der als derb empfundenen Ausdrucksweise und der medizinischen Fachsprache fehlte eine allgemein verständliche Ausdrucksweise. Für die Sprachwissenschaft ist die Sprache der Sexualität ein aufschlussreiches Forschungsgebiet. Historische und regionale Entwicklungen im Wortschatz, die Bildung von Sexualwortschatz und der soziologische Stellenwert von Wörtern sind beredte Zeugen für die Entwicklungen in der Gesellschaft.

Wolfgang Müller, Dr. phil., geboren am 3. Dezember 1921 in Berlin. Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie, Pädagogik an der Humboldt Universität in Berlin (1946 51), 1951 Lehramtsprüfung für Grund und Oberschulen. Promotion 1957 mit einer Dissertation über das Weltbild Ulrichs von Türheim; arbeitete an der Humboldt Universität als Assistent, an der Akademie der Wissenschaften am Goethe Wörterbuch; 1953 1960 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin am „Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache”. Von 1960 bis 1986 Mitarbeiter der Dudenredaktion in Mannheim und ihr stellvertretender Leiter sowie Leiter der Sprachberatungsstelle. Autor, Bearbeiter, Herausgeber zahlreicher Dudenbände (z.B. Synonymwörterbuch, Fremdwörterbuch, Bedeutungswörterbuch, Hauptschwierigkeiten der deutschen Sprache, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 6 Bänden). - Im Verlag de Gruyter erschien 1998 sein umfangreiches „Gegenwort Wörterbuch”. Zahlreiche Aufsätze zu sprachwissenschaftlichen Themen, z. B. zu Zweifelsfällen, zu grammatischen Ellipsen, zum Sprachgefühl, zum Fremdwortbegriff, zur Lexikographie, zur Wortbildung, zu Interferenzen (Leicht verwechselbare Wörter/falsche Brüder), zu Neologismen. Sprachglossen (Deutsch für Vor und Nachdenker) in Zeitschriften. Vorträge in Deutschland, Frankreich, England, Finnland, Schweiz, Japan, USA, Kanada. Derzeit in Arbeit: Wörterbuch der deutschen Präpositionen als Anschluss an Verben, Substantive, Adjektive und Adverbien. - Einen besonderen Forschungs und Sammelschwerpunkt bildet die versprachlichte Sexualität.

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