KARPATEN(-UKRAINE) Schwerpunktwochen
Dienstag, 16. Mai 2006
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Buchpräsentation
STEFAN SIMONEK (Hrsg.): Versperrte Tore - Ukrainische Autoren und Wien (Stutz Verlag, Passau)
Lesung
TYMOFI HAWRYLIW, SERHI SCHADAN

Buchpräsentation
OKSANA SABUSCHKO: Feldstudien über ukrainischen Sex. Roman (Droschl Verlag, Graz)
Lesung mit der Autorin

Einführung: Univ.-Prof. Dr. STEFAN SIMONEK
TYMOFI HAWRYLIW, geboren 1971 in Iwano-Frankiwsk/Stanislau (Galizien), Studium der Germanistik in Lwiw/Lemberg, wo er heute lebt und an der dortigen Universität lehrt. Mehrere Lyrikbände, Erzählungen und Essaysammlungen, derzeit Arbeit an einem Roman. Veröffentlichungen in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien, darunter auch solche in deutscher Sprache. Übersetzer und Herausgeber einer Reihe von Werken österreichischer Literatur, u. a. von Georg Trakl, Ferdinand Raimund, Johann Nepomuk Nestroy und Thomas Bernhard. Franz-Werfel-Forschungsstipendium (1999-2001), Paul-Celan-Übersetzungsstipendium (2000), Literaturstipendien in Graz (2002) und Wien (2003).

SERHI SCHADAN, geboren 1974, lebt in Charkiw (Ostukraine); gilt seit seinem ersten Lyrikband „Atheismus” (1995) als eines der wichtigsten Nachwuchstalente der Ukraine. Neben Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien erschien 2003 der Lyrikband „Geschichte der Kultur vom Anfang des Jahrhunderts”, der seit Neuestem auch in deutscher Übersetzung
(Suhrkamp, 2006) vorliegt. Er bevorzugt darin den freien Vers mit expressiver Diktion, der seine „großartige[n] Erzähl-Gedichte” (Die Zeit 13/23.3.2006) insgesamt auszeichnet. In letzter Zeit auch Hinwendung zur Prosa, u. a. mit dem Band „Big Mac” (2003), der kurze Prosaskizzen enthält.

Zum Buch:
Unter dem Titel „Versperrte Tore” versammelt der vorliegende Band Gedichte, Essays, Briefe und Prosatexte ukrainischer Autorinnen und Autoren, die allesamt mit Wien in Berührung stehen. Der zeitliche Bogen ausgewählter Texte spannt sich von den 1889 unter dem Eindruck politisch motivierter Haft entstandenen „Gefängnis-Sonetten” Iwan Frankos bis zu rezenten Gedichten des Lemberger Autors Tymofi Hawryliw und Prosaskizzen des ostukrainischen Nachwuchsautors Serhi Schadan. Der zeitlichen Spannung entspricht auch eine thematische: „Das Wiener Kaffeehaus hinter der Hofreitschule, in dem das lyrische Subjekt in Hawryliws Gedicht in den Zeitungen blätternd und vor einer schaumigen Melange (dem Flaggschiff Wiener Kaffeehauskultur) auf seinen Verleger wartet, ist bei Schadan … nichts weiter als ein indifferenter Raum, aus dem der Mief der alten Donaumonarchie nicht herauszubekommen ist.” (Stefan Simonek, Vorwort)
Die Frage, ob es sich hierbei um europäische Literatur handelt, lässt sich durchaus mit „Ja” beantworten. Nicht nur „weil Iwan Franko in Wien studiert hat”, sondern auch „weil - dies dokumentiert dieser vorzügliche Sammelband - der Prater, die Donau und die steinernen Kaiserdenkmäler noch immer die Verse selbst der avanciertesten ukrainischen Lyriker zieren.” (Die Zeit 13/23.3.2006)

OKSANA SABUSCHKO, geboren 1960, lebt in Kiew, Studium der Philosophie. Gegenwärtig Vizepräsidentin des ukrainischen Pen-Zentrums, Lehrbeauftragte an der Universität Kiew für kreatives Schreiben. Mehrere Lyrikbände seit Mitte der 80er-Jahre, u. a. „Das neue Gesetz des Archimedes” (2000), sowie Erzählungen und philosophisch-kulturwissenschaftliche Essays. Internationales Aufsehen erregte ihr 1996 erschienener Roman „Feldstudien über ukrainischen Sex”, der bereits vor dem Erscheinen als Raubdruck zirkulierte. Seit 2006 liegt der Roman auch in deutscher Übersetzung im Droschl-Verlag (Graz) vor. Fulbright-Stipendiatin in Harvard und Pittsburgh, writer-in-residence 1992 an der Penn State University.

Zum Buch:
„Zwischen Vulgarität und lyrischer Tonlage bewegt sich die Sprache des autobiographisch gefärbten Romans von Oksana Sabuschko, in dem sie die Geschichte einer Frau, einer Dichterin, erzählt, die aus ‚Fäulnis und Moder‘ der ukrainischen Geschichte weg will und jetzt an einer amerikanischen Universität unterrichtet. Was sie erfährt, sind jedoch nur die Schrecken des Exils, die sie mit all den anderen teilt, die ihre Heimat verlassen haben und denen es nicht gelungen ist, ‚sich zu verwirklichen‘. Keine Frau hatte sich bisher, formal wie inhaltlich, öffentlich so radikal zu Fragen der Sexualpolitik, zum slawischen Machotum, zur Sklavenmentalität ihrer Heimat geäußert, sodass die Feldstudien über ukrainischen Sex sehr schnell zur ‚Bibel des Feminismus‘ avancierten.” (Klappentext)
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