Grundbücher der österreichischen Literatur ab 1945
Donnerstag, 16. März 2006
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

ALBERT DRACH: Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum (1964).
Kommentierte Lesung: DORON RABINOVICI
Referat: MICHAEL ROHRWASSER; Idee und Konzept: KLAUS KASTBERGER und KURT NEUMANN.

Die österreichische Literatur seit 1945 bildet ein enges Netz einzelner Publikationen. Die Reihe „Grundbücher” hebt dessen Knotenpunkte hervor: Bücher, denen aufgrund ihres Themas oder ihrer Form eine exemplarische Stellung zukommt oder solche, die eine spezifische Wirkung oder einen besonderen Einfluss entfaltet haben. Nicht die Etablierung eines Kanons oder Gegenkanons steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sich, "was bleibt" - oder genau aus diesem Grund: "bleiben soll" - mit einer aktuell-zeitgenössischen Lektüre verbinden lässt.
Die „Grundbücher” werden im Rahmen von Lesungen vorgestellt und die skizzierte Fragestellung durch Referate und Gespräche erschlossen. Jährlich sollen vier dieser „Grundbücher” ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden, eine Vielzahl von Werken kommt dafür in Betracht. Für die Konkretisierung des jeweiligen Jahresplanes sind Wünsche, Anregungen und Vorschläge durchaus willkommen, ja die Diskussion über die Auswahl der „Grundbücher” selbst könnte so künftig zum Bestandteil der Reihe werden.

„Das Zusammentreffen so vieler Widersinnigkeiten ist unsagbar komisch und erinnert an Schriftsteller wie Kafka, Musil, Herzmanovsky-Orlando und eben auch Jaroslav Hašek: Dies sollte den Leser aber nicht verleiten, die Geschichte einer ‚versunkenen’ Welt zuzuordnen. Unter etwas abgewandelten Umständen ist vieles von dem Damaligen heute noch durchaus lebendig, oder vielleicht sollte man sagen: tödlich wirksam - Diskriminierung, Aggressivität, ein auf Gerechtigkeit und Glück der Menschen wenig Rücksicht nehmender Staatsapparat, eine Sprache, die das Humane erstickt, und Verhältnisse, die auch außerhalb dieser Institutionen an Strafanstalten und Narrenhäuser gemahnen.” (Egon Schwarz)

Doron Rabinovici, Schriftsteller, Essayist und Historiker, geboren 1961 in Tel Aviv, lebt seit 1963 in Wien. Mitbegründer des Republikanischen Clubs - Neues Österreich (1986) und der Demokratischen Offensive (1999). 2000: Heimito-von-Doderer-Förderpreis und Preis der Stadt Wien für Publizistik; 2002: Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg und Jean-Améry-Preis. Publikationen u. a.: „Papirnik. stories”, Frankfurt am Main 1994; „Suche nach M.”, Roman in zwölf Episoden, Frankfurt am Main 1997; „Instanzen der Ohnmacht. Wien. 1938 1945. Der Weg zum Judenrat”, Frankfurt am Main 2000; „Credo und Credit. Einmischungen”, Franfurt am Main 2001; „Ohnehin”, Roman, Frankfurt am Main 2004.
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