Grundbücher der österreichischen Literatur ab 1945
Donnerstag, 12. Oktober 2006

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

FRIEDRICH ACHLEITNER / H. C. ARTMANN / GERHARD RÜHM: hosn rosn baa (1959): Lesung mit FRIEDRICH ACHLEITNER und GERHARD RÜHM
Referat: UNIV.-PROF. DR. WENDELIN SCHMIDT-DENGLER


„Die drei jungen Autoren […] kommen nicht von der Mundart und ihrer Gesinnung her, sondern sie entdecken jene auf ihrem Wege: und mit ihr eine Fülle klanglichen Valeurs, welche das Hochdeutsche gar nicht bietet; auch von der außerordentlichen Konkretheit der Mundart wurden sie bezaubert, und noch von anderen ihrer Qualitäten. Artmann, Rühm und Achleitner sind keine Dialektdichter. Wohl aber haben sie auch Dichtungen im Dialekt geschrieben. Vielen davon eignet ein parodistischer, ein den Dialekt selbst parodierender Charakter. Das lässt an Karl Kraus denken, aber nie an Stelzhamer oder Thoma.”
Heimito von Doderer im Vorwort zum Buch)

Gerhard Rühm schreibt in seinem Vorwort zum Band „Die Wiener Gruppe”:
„als titel machten wir ein für jeden signifikantes wort ausfindig: hosn - achleitner, rosn - artmann, baa (knochen) - rühm. achleitner schnitt unser profil, seines im spiegel, entwarf den umschlag. format, schrift und satzspiegel bestimmten wir gemeinsam. von artmann gab es auch noch eine reihe frühester gedichte, die dem müller-verlag zu scharf gewesen waren; unsere gedichte waren so gut wie unpubliziert. der band wurde zu einer resümierenden dokumentation der neuen dialektdichtung, denn sie war für jeden von uns bereits ein abgeschlossenes kapitel. das buch erregte eher im negativen sinne aufsehen, so sehr es auch von einem gewissen kreis begrüsst und gepriesen wurde (doderer kannte einige gedichte von uns auswendig - natürlich gerade die harten - und rezitierte sie gerne zum peinlichen befremden in gespreizten gesellschaften)… für einen vortragsabend (9.12.59) wurde ein beliebter burgschauspieler, der komiker richard eybner, gewonnen, gemeinsam mit den autoren im mozartsaal des konzerthauses (zyklus ‚die berühmte stimme’) aus ‚hosn rosn baa’ zu lesen. solange eybner die unverfänglicheren gedichte vortrug, ging noch alles gut, doch als die reihe an uns kam, entstand im publikum unruhe, die sich zu einem kleinen pfeifkonzert und rufen wie ‚in die gaskammer’, ‚kulturschande’ steigerte.”

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