Mitsprache - Minderheitensprachen in Österreich
Mittwoch, 29. November 2006

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Vorgestellt werden belletristische Arbeiten der Sinti und Roma.
Zweisprachige Lesung mit CEIJA STOJKA (autochthone Roma), GITTA MARTL (autochthone Sinti), ILIJA JOVANOVIC (Roma- und Sinti-ImmigrantInnen).
Kurze Würdigung des kürzlich verstorbenen Tiroler Jenischen ROMEDIUS MUNGENAST.
Referat: BEATE EDER-JORDAN (Inst. für Komparatistik der Universität Innsbruck)
Konzept der Veranstaltung: LUDWIG LAHER.
Eine Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Minderheitensprachen in Österreich” der österreichischen Literaturhäuser

Durch viele Jahrhunderte wurde das kulturelle Erbe dieses seit dem Spätmittelalter bei uns nachweisbaren Volkes der Sinti und Roma von Generation zu Generation mündlich weitergegeben. Erst im 20. Jahrhundert kam es zur Verschriftlichung des Romanes, und erst gegen dessen Ende machte man sich an die Herkules-Arbeit einer Standardisierung, die bei der Zerstreutheit der Roma und Sinti über viele Staaten der Erde wohl nie zur Zufriedenheit aller erreicht werden kann: Zahlreiche Lehnwörter aus den Sprachen ihrer jeweiligen Heimatländer, unterschiedliche Dialekte sowie Wiedergabe von Lauten in den (je zum Muster genommenen) Staatssprachen sind nur einige der damit verbundenen Probleme.
Langsam beginnt eine eigenständige Literatur der Roma zu wachsen, die erstmals auch in der eigenen Sprache geschrieben wird. Es besteht die berechtigte Hoffnung, daß sich diese zarte Blüte der entstehenden Zigeunerliteratur zu einem üppigen Blumengarten entwickelt. Dieser optimistische Befund von Ilija Jovanovič und Mozes Heinschink in ihrer Einleitung zum Roma-und-Sinti-Teil des wichtigen Buches „Österreichische Lyrik und kein Wort Deutsch” (Haymon 1990) bezieht sich natürlich nicht allein und in erster Linie auf die im Gefolge des NS-Rassenwahns erheblich dezimierte österreichische Minderheit. Dennoch gibt es erste Beispiele einer österreichischen Literatur auf Romanes, Prosa und Lyrik, um die es im Rahmen dieser Veranstaltung gehen soll.

Mit Ilija Jovanovič, Gitta Martl und Ceija Stojka sind drei VertreterInnen der größten Gruppen österreichischer Roma und Sinti zu Gast, autochthone Roma (Stojka), autochthone Sinti (Martl) und Roma-und-Sinti-ImmigrantInnen wie der 1950 in Serbien geborene und seit 1971 in Österreich lebende Jovanovič.
Nach einer Einleitung von Ludwig Laher, der diesen Abend verantwortlich gestaltet, und den zweisprachigen Lesungen der AutorInnen gibt es die Möglichkeit zum Gespräch.

Ceija Stojka, geb. 1933, lebt in Wien. ”Wir leben im Verborgenen” (1988); ”Meine Wahl zu schreiben ich kann es nicht /O fallo de isgiri - me tschischanaf les”, Gedichtband (2003).

Ilija Jovanovič, geb. 1950, lebt in Wien. ”Vom Wegrand / Dromese rigatar”, Gedichtband (2006). Zweisprachige Lyrik u.a. in: ”Österreichische Lyrik, und kein Wort Deutsch” (1990).

Gitta Martl, geb. 1946, lebt in Linz. ”Uns hat es nicht geben sollen” (2004; gemeinsam mit Rosa Winter und Nicole Martl). Zweisprachige Prosa in: ”Europa erlesen. Oberösterreich” (2004).






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