Grundbücher der österreichischen Literatur ab 1945
Dienstag, 20. März 2007

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

ELFRIEDE GERSTL: wiener mischung. texte aus vielen jahren. Gedichte und Kurzprosa. (Hrsg. Heimrad Bäcker, edition neue texte linz, 1982). Lesung mit der Autorin
Referat: FRANZ SCHUH
Idee und Konzept: KLAUS KASTBERGER und KURT NEUMANN

In meinem zusammengeschusterten sprachhäusl / steht und liegt mein vokabular / wie kraut und rüben / wie im tandelladen / oft findet man was man sucht / manchmal aber auch nicht.

Elfriede Gerstl ist eine der eigenwilligsten Stimmen, die aus der Wiener Avantgardeszene kamen. Ihre dem Understatement verbundenen Texte haben den schwarzen Humor als Lebenselixier. Klarheit und Rührung sind die zentralen Erkenntniswerkzeuge, was man als sehr wienerisch bezeichnen könnte. Ein verwundertes Staunen über Welt und Gesellschaft, eine wohlwollende Art von Feminismus mit gehobener Augenbraue kennzeichnet ihre Gedichte.
„Von diesem Staunen und nicht von Aggressivität oder von Emphase sind die Texte der Elfriede Gerstl grundiert; aber diesem Staunen ist doch auch die lebendige und verlebendigende Unzufriedenheit mit dem Bestehenden eingeschrieben. Vor allem behaupten sich die Texte in ihrer Eigenständigkeit: ‚Jeder Gläubige reizt meinen Widerspruch’, sagt sie, und das läßt doch die Vermutung zu, daß wir es mit ihren Büchern auch mit Zeugen einer dezenten und präzisen und in Österreich von Mal zu Mal verschleppten Aufklärung zu tun haben, ohne allerdings deren Geburtsfehler, dem von Gerstl so genannten ‚Didaktick’, zum Opfer zu fallen.” (Wendelin Schmidt-Dengler)
„Elfriede Gerstl ist das Gegenteil von dem, was hier immer schon gewesen ist und immer sehr geschätzt wurde.” (Elfriede Jelinek)
„Elfriede Gerstls Gedichte sind im Wesentlichen Gedichte vom Versagen, das Trauer verursacht; dieses Versagen ist nicht gewertet, es ist ein Versagen vom Leben zum Tode hin; der alltäglich erfahrene Missklang ist Gegenstand von Gerstls Gedicht: all die großen Ideale und die Versuche von Wittgenstein, Stirner oder Mauthner, sie zu destruieren - was ist aus alledem geworden?” (Elfriede Czurda im Nachwort zu „wiener mischung”)

Elfriede Gerstl, geboren 1932 in Wien. Studien der Medizin und Psychologie an der Universität Wien. In den 60er Jahren abwechselnd in Wien und Berlin, seit 1972 ausschließlich in Wien. Publikationen: „Gesellschaftsspiele mit mir”, Wenig übliche Gedichte und Geschichten (1962); „Das Gästehaus”, Gemeinschaftsroman (mit Peter Bichsel, Hubert Fichte u. a., 1965); „Berechtigte Fragen”, Hörspiele (1973); „Spielräume” (1977); „Narren und Funktionäre”, Aufsätze zum Kulturbetrieb (1980); „wiener mischung”, texte aus vielen jahren. Gedichte und Kurzprosa (1982); „Vor der Ankunft”, auf reisen entstandene gedichte (1986); „Unter einem Hut”, Essays und Gedichte (1993); „Kleiderflug”, Texte - Texitilien - Wohnen (1995); „die fliegende frieda”, sechsundzwanzig geschichten (1998/2000); „alle tage gedichte”, schaustücke, hörstücke (1999); „neue wiener mischung” (2001); „LOGO(S). 50 Postkarten” (zusammen mit Herbert J. Wimmer, 2004); „mein papierener garten” (2006).

Franz Schuh, geboren 1947 in Wien. Studium der Philosophie, Geschichte und Germanistik. Zahlreiche Aufsätze, Rezensionen und Essays für div. Zeitschriften und Zeitungen. Beiträge für den Rundfunk. Arbeiten zum Literaturbetrieb. Veröffentlichungen (Auswahl): „Das Widersetzliche der Literatur. Kritische Kritiken” (1981); „Fremdenverkehr - Kritische Texte über den Tourismus” (Hrsg., 1984); „Liebe, Macht und Heiterkeit” (1985); „Das phantasierte Exil” (1991); „Der Stadtrat. Eine Idylle” (1995); „Schreibkräfte”, Über Literatur, Glück und Unglück (2000); „Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche”, Essaykomposition (2005; Preis der Leipziger Buchmesse).

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