„LandSchauen” - Eine Veranstaltungsreihe zur oö. Landeskunde
Mittwoch, 2. Mai 2007

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

wortklang (5)

ANTON-JOSEPH ILK: Die Unsterblichkeit der Wåldweibln. Zur Sagenwelt der Zipser im Wassertal (Nordsiebenbürgen)

Vortragsreihe des Oö. Volksliedwerkes und des Adalbert-Stifter-Instituts (OÖ. Sprachforschung)

In seinem Vortrag über die sagenhafte Erzählwelt der so genannten Zipser im Wassertal entführt der Volkskundler Anton-Joseph Ilk die Zuhörer in ein Land, wo Sagen heute noch entstehen. Im äußersten Norden Rumäniens gelegen, bildet das Wassertal mit seinem Hauptort Oberwischau (Vişeu de Sus) eine heute noch in Resten bestehende Sprachinsel, die auf Befehl der Kaiserin Maria Theresia um 1775 mit Waldarbeitern aus dem Salzkammergut besiedelt wurde. Durch später zugezogene Arbeitskräfte aus der Zips, einer deutschen Sprachinsel am Fuß der Hohen Tatra in der Slowakei, erhielten die Bewohnern der Kolonie den Namen „Zipser”, ihren oberösterreichisch geprägten Dialekt nannten sie „Zipserisch” bzw. „Taitsch”. Die Ansiedler des Wassertales haben Sprache und Glauben, Volkskultur und Erzählgut aus ihrer alten Heimat mitgebracht und weitertradiert.
Im oft beschwerlichen und monotonen Arbeitsalltag der Holzknechte spielten Sagen und Erzählungen eine besondere Rolle. Begabte Geschichtenerzähler („Kaskatärzähler”), aber auch Großmütter und Mütter verfügten oft über ein unglaubliches Repertoire an Märchen und Sagen und schmückten diese mit zahllosen phantastischen und dämonischen Wesen aus. Die meisten der Motive kennen wir auch aus der ursprünglichen Heimat der Zipser (z.B. die „Salige” oder das „Wilde Gjaid”), oft finden sie sich aber im Wassertal mit neuen Attributen, einer veränderten Gestalt und anderen Funktionen wieder.


Anton-Joseph Ilk, geb. 1951 in Oberwischau / Vişeu de Sus (Maramuresch, Rumänien), ist Nachfahre jener Holzfäller aus dem Salzkammmergut, die um 1775 in der Marmarosch angesiedelt wurden. Nach dem Besuch des Lyzeums in Oberwischau und der Röm.-Kath. Kantorenschule in Alba Julia studierte er Theologie und wurde 1977 zum Priester geweiht. Neben seinem Wirken als Seelsorger in Satu Mare und in Baia Mare unterrichtete er am Theologischen Fernkurs der Diözese und leitete die Caritas im Verwaltungskreis Maramuresch. 1998 kam er nach Österreich und wirkt seitdem als Pfarrer von Alkoven. Seit seiner Jugend betreibt A.-J. Ilk Feldforschungen in Oberwischau und im weiteren Umkreis des Wassertals und der Maramuresch. Bislang publizierte er mehrere Bücher sowie über 130 Studien und Aufsätze zur Volkskunde der Oberwischauer Zipser.
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