„Ein Gewehr, geladen mit Zukunft”
Donnerstag, 20. September 2007

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Ton- und Filmdokumente von / über
Christian Loidl

präsentiert von
KATHARINA MAURER und
ALFRED PITTERTSCHATSCHER


Kurz vor seinem Tod, 2001, ist Christian Loidl noch Gast im Landesstudio Oberösterreich. Im Rahmen einer „Langen Nacht des Hörspiels” zum Thema „Körperwörter”. Dass dies sein letzter Besuch im Linzer Funkhaus sein soll, ahnt niemand. Eine sechzehnjährige Kooperation mit dem Radio endet plötzlichen und abrupt. Das Radio ist für ihn längst zu einem wichtigen Wegbegleiter seiner literarischen Laufbahn geworden.
Wie wichtig für Christian Loidl das Hören ist, beweisen seine letzten literarischen Performances. Schreiben und Rezitieren, Hören und Sprechen werden eins. Als Parallelwelt. Für Christian Loidl waren Nonverbales, Gestisches, Stimmungen, Bewusstseinszustände, Stimmen, Geräusche, Musik neben dem Verbalen ein wichtiges Medium des Ausdrucks. Seine Laufbahn als Autor spiegelt sich in seinen radiophonen Arbeiten wider. Ab 1985 gestaltet er Hörbilder mit Texten anderer Autoren zu meist von ihm selbst vorgeschlagenen Themen, allmählich sind seine eigenen literarischen Arbeiten dominierend.
Seit 1985 befinden sich Radioarbeiten Christian Loidls in den Tonarchiven des ORF. Die früheste Aufnahme „Poesie des Zauberspruchs” (Juli 1985) wurde im Programm Österreich 1 in der Welt der Literatur gesendet und von ORF-Oberösterreich produziert. Ebenso für die Reihe „Welt der Literatur” gestaltete Christian Loidl eines seiner Features „Die chemische Muse - Poesie der Drogenräusche”. Darin läßt er ihm wichtige Autoren wie Harold A. Hansen, William S. Burroughs, Walter Benjamin, Alvaro Estrada, Anne Waldman, Gottfried Benn mit Zitaten zu Wort kommen.
Neben literarischen Stoffen setzt sich Christian Loidl immer wieder mit schrägen, originellen Einzelgängern auseinander. Dabei entsteht unter anderem ein Porträt der Baronin Lu von Blittersdorff, ein Porträt einer „Unzeitgemäßen”; in einem anderen Porträt für „Lebensreisen” widmet er sich der Hebamme Anna Kirschbichler, Jahrgang 1921. Untertitel der Sendung: „Zangengeburt unter Petroleumlicht”.
Originäre Personen sind ihm immer ein besonderes Anliegen, sie akustisch zu dokumentieren ist naheliegend. Gestische und sinnliche Kommunikationsfähigkeiten seiner Protagonisten dürften ihn dabei angeziehen. Loidl macht auch Auftragsarbeiten, etwa „Arbeit-keine Arbeit”, ein als Anthologie angelegtes Hörbild, gesendet unter dem Urheber „Peter Christian Loidl”. Loidl interviewte dafür unter anderen den Soziologen Roland Girtler.
Loidl verwendet das Medium Radio vorwiegend für die Dokumentation von Randthemen und herausragenden Personen. Auch Hermann Schürrer widmet er sich unter diesem Aspekt. „Die Wilden von gestern - Avantgarde, Weisheit, Unsterblichkeit”.
Loidl sammelt Originale und ist darüber hinaus ein ausgesprochen auditiver Schriftsteller, der den Alltag belauscht. Die Überschreitung von Grenzen ist ihm ein Anliegen. Aus Kolumbien berichtet Loidl in einem Gespräch, nachdem er an einem Poesiefestival als einer unter Poeten aus aller Welt teilnimmt, die an die 8000 Zuhörer in ein Sportstadium locken. Es sei durchaus möglich, mutmaßt Loidl, dass aus der Art, wie in Kolumbien Menschen miteinander umgehen, wo Begriffe wie „Das Volk” oder „Die Leute” eher bewirkten, dass man sich zulächelt, als dass man einen Hammer über den Kopf sausen spürt, ein besonderes Sensorium für Dichtung entstehe; es könnte auch damit zusammen hängen dass das Land seit langem politisch instabil sei, sodass man sich auf offizielle Versionen des Lebens nicht verlassen kann.”

 Zurück
IMPRESSUM © 2016 Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich / StifterHaus – Literatur und Sprache in OÖ.
Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

weiter >>
(Nach)SommerTag<br />20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

(Nach)SommerTag
20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

weiter >>