Grundbücher der österreichischen Literatur ab 1945
Montag, 15. Oktober 2007

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

THOMAS BERNHARD: Frost. Roman
(Insel Verlag, Frankfurt am Main 1963)

Kommentierte Lesung: FERDINAND SCHMATZ
Referat: MARTIN HUBER (Thomas Bernhard Archiv, Gmunden)
Redaktion und Moderation: KLAUS KASTBERGER



Ein Gemeinschaftsprojekt der Alten Schmiede, Wien und des StifterHauses
Mit freundlicher Zustimmung des Suhrkamp Verlags, Frankfurt am Main




Ferdinand Schmatz kommentiert: „Frost”. Der Autor: Thomas Bernhard. Der Held in diesem Roman: der Text als gesprochene Schrift - bestehend, sich zusammensetzend, sich entwindend aus dem Studenten, dem Beobachter, vor allem aber aus dem Maler Strauch, dem Beobachteten, aus dem Dorf Weng und seinen Einwohnern, aus der Landschaft - aus Natur, Objekt und Mensch, aus Denken, Reden, Schreiben - das ist alles und Nichts, der Text.
Das Protokoll spricht, doch es ist kein Protokoll der nüchternen Poesie, obwohl die eine einfache Sprache spricht, keine Metaphern, aber starke einprägsame Bilder aus der Feder eines Beauftragten. Was wird beauftragt. Es wird die Beobachtung beauftragt, und der Beobachtete, wird erst in der Beobachtung zum Beobachtbaren. Er schafft sich, ohne es zu wissen, das ist der Kunstgriff des Autors, aus der Fremdbeobachtung heraus. Er selbst stellt fest, handelt, dirigiert, verlangt, befiehlt, fragt. Aber das Fragen ist ein Antworten in den eigenen Spiegel hinein, der den Studenten umkleidet. Schon in der Frage blitzt die Antwort auf.
Nur - es gibt kein Land der Hörer, es gibt keine zu Bekehrenden, nur den Untertan, es gibt zwar das Außen, aber das ist das andere, und es gibt nur den Körper, das nie eigene, der sich in diesem anderen findet, aber nicht zu hause fühlt.
Der Student und der Maler Strauch, sie sind sich in dieser umspannenden Körperwelt nah und entfernt wie Opfer und Täter oder Geliebte und Geliebter oder Geliebter und Geliebter - Leidenschaft und Gewalt, Hingabe und Unterwerfung, Hass der Nähe, Zuneigung der Ferne, das sind die Eigenschaften, die sie einander entgegenbringen und die um sie herum aufgebaut werden …

Der Suhrkamp Verlag und die Bernhard-Stiftung geben derzeit die Thomas-Bernhard-Werkausgabe heraus. Die Ausgabe wird aus insgesamt 22 Einzelbänden bestehen: Die ersten neun Bände sind den großen Romanen gewidmet, Band 10 fasst die autobiographischen Erzählungen zusammen; die nächsten drei Bände sammeln kleinere Erzählungen, Band 14 beinhaltet die Kurzprosa, die Bände 15 bis 20 umfassen die Dramen, Band 21 enthält die Gedicht und der letzte Band unter dem Arbeitstitel „Der öffentliche Bernhard” besteht aus Reden, Essays und Leserbriefen. Die Werkausgabe enthält auch Texte, die anderweitig momentan nicht zugänglich sind, wie beispielsweise „Der Berg” oder „die rosen der einöde”. Herausgeber der kritischen Werkausgabe sind Martin Huber und Wendelin Schmidt-Dengler; einzelne Bände werden von Volker Bohn, Hans Höller, Manfred Mittermayer und Jean-Marie Winkler mitherausgegeben. Jeder der Bände dokumentiert die Entstehung der einzelnen Werke und klärt über biographische Hintergründe auf.
Die ersten drei Bände (Band 1 „Frost”, Band 2 „Verstörung” und Band 14 „Kurzprosa”) sind im Herbst 2003 erschienen, die Werkausgabe soll bis 2008 abgeschlossen sein.

Martin Huber, geboren 1963; Studium der Germanistik in Wien, leitet das Thomas Bernhard Archiv in Gmunden und ist mit Wendelin Schmidt-Dengler Herausgeber der Werkausgabe Thomas Bernhard, in deren Rahmen 2003 der Roman „Frost” veröffentlicht wurde.
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