Zum Stifter-Gedenktag
Montag, 28. Jänner 2008

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Vorträge

UNIV.-PROF. DR. ALFRED DOPPLER:
Das sanfte Gesetz als oberstes Sittengesetz. Adalbert Stifter und Bernard Bolzano

UNIV.-PROF. DR. WOLFGANG HÄUSLER:
"... als suchten sie etwas, oder betrachteten etwas, das zwischen den Steinen liegen müsse ..."
Die Ordnung der Dinge und das welt- und menschenerhaltende Gesetz im Werke Stifters

Alfred Doppler ist emeritierter Professor für Neuere Deutsche Philologie an der Universität Innsbruck. Zahlreichen Publikationen über österreichische Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts u. a.: „Wirklichkeit im Spiegel der Sprache. Aufsätze zur Literatur des 20. Jahrhunderts in Österreich” (1975); „Der Abgrund des Ichs. Ein Beitrag zur Geschichte des poetischen Ichs im 19. Jahrhundert (1985); „Die Lyrik Georg Trakls. Beiträge zur poetischen Verfahrensweise und zur Wirkungsgeschichte” (1992; 2001). Seit 1978 Mitherausgeber der Historisch-Kritischen-Gesamtausgabe der Werke und Briefe Adalbert Stifters.

„Die Stifter-Forschung hat bisher zu wenig wahrgenommen, dass nicht das Sanfte Gesetz, sondern das Sittengesetz zentraler Terminus in der ‚Vorrede’ zu den Bunten Steinen ist; und dieses Sittengesetz entspricht dem, was Bernard Bolzano Oberstes oder allgemeines Sittengesetz genannt hat. Stifters Auffassung von Sittlichkeit als Religion, wie sie in seinen Erzählungen anklingt, erweist sich als das Weiterwirken des Sittengesetzes im Sinne Bolzanos.
Die Nähe Stifters zu Bolzano zeigt sich aber nicht nur in der teilweisen Übernahme von diesen religiösen, philosophischen und pädagogischen Ansichten: Stifter hat im Kreis der Wiener Bolzanisten (Graf Leo Thun, Richard Exner, Anton Krumbholz u. a.), die maßgeblich an der österreichischen Unterrichtsreform von 1848-1852 beteiligt waren, auf Einladung Exners mitgearbeitet und deren Reformbestrebungen publizistisch unterstützt.
Im Witiko übernimmt Stifter Bolzanos Ansichten Über das Verhältnis der beiden Volksstämme in Böhmen, indem er den sprachlichen Unterschied zwischen deutschen und tschechischen Waldleuten vollkommen außer Acht lässt.
Stifters Menschenbild ist daher nicht allein von der deutschen Klassik und der deutschen Aufklärung bestimmt, sondern auch von der österreichischen Spätaufklärung, die durch eine sittliche und soziale Reform des Christentums Religion und Aufklärung miteinander verbinden wollte.” (Alfred Doppler)

Wolfgang Häusler, geboren 1946 in St. Pölten, Studium der Geschichte und Kunstgeschichte, Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Seit 1984 o. Univ. Prof. für Österr. Geschichte an der Universität Wien, seit 2003 im Ruhestand unter vertiefter Fortsetzung der Forschungstätigkeit in bildungsgeschichtlicher Perspektive. Studien und Publikationen zur österr. Geschichte, namentlich der Revolution von 1848 und zur Kulturgeschichte des österr. Judentums, zur historischen Landeskunde und zur österr. Literatur (u. a. Grillparzer, Nestroy und Hebbel).

„…als suchten sie etwas, oder betrachteten etwas, das zwischen den Steinen liegen müsse...”
Die Ordnung der Dinge und das welt- und menschenerhaltende Gesetz im Werke Stifters

„Nicht von Stifter ‚als Naturwissenschaftler’, sondern von seinem (gescheiterten?) Versuch, Wissenschaft und Poesie, Ethik und Leben zu vereinen, soll die Rede sein. Stifters Lebensprojekt ist zunächst in den Bildungstraditionen des christlich-benediktinischen Ordo und Goethes Weltbild zu verorten. Dieses Streben („Studien”!) verpflichtet das gesamte poetische Werk. Diese These soll namentlich anhand der ‚Bunten Steine’ dargelegt werden - Stifters enge Kontakte zu jenen Kreisen, die in Österreich das Paradigma der modernen Geologie als zugleich historische und systemische Erdwissenschaft aufstellten, insbesondere die Freundschaft mit Friedrich Simony, ermöglichten ihm, sein vielschichtiges Erzählwerk als Analyse und Synthese der Natur der Welt und des Menschen zu formen. Bleibt dies retrospektive Utopie des 19. Jahrhunderts oder - darüber hinaus gefragt - noch und wiederum Wegweisung in den weltanschaulichen Kontroversen der Gegenwart?” (Wolfgang Häusler)


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