Finissage der Ausstellung
Donnerstag, 7. Februar 2008

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Lesung

Thomas Bernhard - Siegfried Unseld. Der Briefwechsel.
Hrsg. von Raimund Fellinger, Martin Huber und
Julia Ketterer
(Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main)

Mit RAIMUND FELLINGER und MARTIN HUBER


Veranstaltet mit:
Internationale Thomas Bernhard Gesellschaft

„30 Jahre alt, ohne Resonanz auf seine bis dahin veröffentlichten drei Gedichtbände, vom eigenen überragenden schriftstellerischen Können allerdings überzeugt, schreibt Thomas Bernhard im Oktober 1961 an Siegfried Unseld: »Vor ein paar Tagen habe ich an Ihren Verlag ein Prosamanuskript geschickt. Ich kenne Sie nicht, nur ein paar Leute, die Sie kennen. Aber ich gehe den Alleingang.«
Obwohl der Suhrkamp Verlag das Manuskript ablehnte, gingen der Alleingänger und der Verleger seit dem Erscheinen von Bernhards erstem Roman »Frost« 1963 gemeinsam den Weg, der den Autor in die Weltliteratur führte.
In den etwa 500 Briefen zwischen beiden entwickelt sich ein einzigartiges Zwei-Personen-Schauspiel: Mal ist es eine Tragödie, wenn etwa Bernhard die aus seinen Werken bekannten Schimpftiraden auf den Verleger losläßt, der seinerseits auf die Überzeugungskraft des Arguments setzt. Dann gibt Bernhard ein Kammerspiel mit Unseld als Held -- 1973 schreibt er ihm: »mit grösster Aufmerksamkeit, mit allen Möglichkeiten, gehe ich gern mit Ihnen.« 1984 agieren beide, bei der Beschlagnahme von »Holzfällen«, als Kämpfer für die Literatur in einem von Dritten inszenierten Schurkenstück.
Es dominiert das Beziehungsdrama: Der Autor stellt die für sein Werk und seine Person unabdingbaren Forderungen. Der Verleger seinerseits weiß, dass gerade bei Bernhard rücksichtslose Selbstbezogenheit notwendige Voraussetzung der Produktivität ist.
Solch einen dramatischen Briefwechsel zwischen Autor und Verleger, in dem bei jeder Zeile alles auf dem Spiel steht, kennt das Publikum bislang nicht.” (Raimund Fellinger)


Raimund Fellinger, geboren 1951 im Saarland, studierte Germanistik, Linguistik und Politikwissenschaft in Frankfurt am Main, arbeitet seit 1979 als Lektor im Suhrkamp Verlag; seit dem Beginn der 1980er Jahre betreut er das Werk Thomas Bernhards

Martin Huber, geboren 1963; Studium der Germanistik in Wien, leitet das Thomas Bernhard Archiv in Gmunden und ist mit Wendelin Schmidt-Dengler Herausgeber der Werkausgabe Thomas Bernhard.
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