Buch- und Verlagspräsentation
Montag, 31. März 2008

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Neuerscheinungen der „edition linz”: MARIA ELISKASES Quellenweg oder Die Brustbeinblumen; CORNELIA TRAVNICEK: Aurora Borealis. Prosa Texte; IRMGARD PERFAHL: Himmel; FRANZ JOSEF HEINRICH: Im Feuerkreis (es liest Gerhard Brössner)
Musik: ANDREYSERKOV (Bayan) und JOVA DRENSKA (Bayan)
Podiumsgespräch mit DR. PETER KRAFT, MAG. FRANZ HITZ, MAG. JUDITH POUGET, DR. FERDINAND REISINGER
Moderation: PETRA-MARIA DALLINGER und DR. PETER LEISCH
Veranstaltet mit: Linz Kultur


„Quellenweg” erzählt die Lebensgeschichte einer Frau: vom Aufwachsen als uneheliches Kind auf einem Tiroler Bauernhof, vom Leben in der Klosterschule und vom heimlichen, verstörenden sexuellen Erwachen, vom jahrelangen Missbrauch durch den Vater und der Flucht davor in die Ehe mit einem völlig unbekannten Mann, an dessen Seite sie sich ein Leben aufbaut - ein Leben, das aus viel Arbeit und wenig Glück besteht, und dem sie schließlich freiwillig ein Ende setzt. Die Geschichte der Protagonistin ist jedoch mehr als eine individuelle Lebensgeschichte; sie ist gleichzeitig eine Familiengeschichte, eingebettet in das Zeitgeschehen und zusammengehalten durch die Zeitangaben am Ende der Kapitel: von Neujahr 1920 bis Weihnachten 1990. Maria Eliskases erzählt in knappen, aber sinnlichen Bildern; mit äußerster Distanz, aber dennoch einfühlsam und, wie Eugenie Kain in ihrem Nachwort schreibt, ohne dabei jemals in Betroffenheitsprosa abzugleiten.


In Aurora Borealis fasst die junge, bereits mehrfach ausgezeichnete Autorin Cornelia Travnicek neun Prosatexte aus drei Jahren zusammen. Formal sind diese Texte sehr unterschiedlich; ihre Stilmittel variieren zwischen "klassischen" Kurzerzählungen, videoclip-ähnlich zusammengeschnittenen, fragmentarischen Beobachtungen und experimentellen, an die Technik des Stream of Consciousness erinnernden Texten. Inhaltlich dagegen gibt es durchaus eine Klammer, die diese Texte zusammenhält und die sich auch im Titel widerspiegelt: die Kälte. Erzählt wird von Menschen, die frieren und erfrieren: an der Einsamkeit, an der Unmöglichkeit der Liebe, an Vernachlässigung und am Verlust der Fähigkeit zur Kommunikation. Es sind düstere Texte, getragen von einer Stimmung des Scheiterns und der Vergeblichkeit aller Bemühungen, in einer kalten Welt nach einem kleinen, persönlichen Glück zu streben. Dennoch gibt es auch ein Element der Wärme, der Freundlichkeit - und das liegt in der Fähigkeit der Autorin, sich in ihre Figuren hineinzufühlen. Sie verleiht ihnen eine Stimme, lässt sie quasi selbst zum Leser sprechen, und zeigt so ihre inneren Verwüstungen auf, ohne sie dadurch zu diffamieren.


Irmgard Perfahls Dichtung nimmt dieses sich ständig verändernde Überuns als Gesprächspartner wahr, die Autorin fühlt sich hinein in das a-rhythmisch auftretende Repertoire an Himmelserscheinungen und -zuständen. Der Himmel ist für sie eine Instanz, die es in sich hat, über ihre reinste Form die Menschen zu beglücken. Aber auch im Himmel ist Vergänglichkeit; „wir schauen den Zugvögeln nach, die in dir verschwinden, ja, wir wissen, auch wir werden verschwinden, und dann werden wir wissen, das Leben war schön, auch wenn wir uns, wie jetzt, nicht mehr daran klammern werden …”.
Die Fotos von Ferdinand Reisinger zeigen uns einen anderen Himmel, einen geteilten, ja gerasterten und einen von Kondensstreifen durchkreuzten. Und doch ergeben sich Bezüge, subtile und offensichtliche, die Form und Aussage des jeweils anderen Mediums wird nicht relativiert sondern erfährt eine kontrastbedingte Steigerung.


eine Sammlung „Später Texte” des Autors, in der edition linz der Reihe linz kultur, die von der Bibliothek der Provinz verlegerisch betreut wird, versteht sich als ein Lesebuch, das mit einem schmalen Auszug aus dem noch unveröffentlichten Lebenswerk des bedeutenden Autors aufmerksam machen will auf die noch immer vorhandene Vielfalt von Aphorismen, Lyrik, Erzählungen und erzählerischen, auch autobiographischen Texten.
Der Linzer Künstler Franz Hitz, Geburtsjahrgang 1952, ein Absolvent der Linzer Kunstuniversität, hat zu Franz Josef Heinrichs Werkfolge einen Zyklus von zehn Graphitzeichnungen beigesteuert, die als geistesverwandtes Pendant zur präsentierten Literatur anzusehen sind.
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