"Gegen die Strömung"
Montag, 19. Mai 2008

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Lesung mit
TUVIA RÜBNER,
Träger des Theodor Kramer Preises 2008
für Schreiben im Widerstand und im Exil

Einführung: SIGLINDE BOLBECHER


Veranstaltet mit:
Theodor Kramer Gesellschaft, Wien

"Die Worte bilden eine Art Strömung, gegen die man unaufhörlich an schwimmen muß; wer ihrem Sog folgt, muß geradewegs scheitern, denn es wird unmöglich, nach langem Mißbrauch der Worte sie die Wahrheit aus drücken zu lassen." (Julien Green, zitiert von Tuvia Rübner)

Tuvia (Tobias, eigentlich Kurt) Rübner, geboren 1924 in Bratislava (Pressburg), konnte 1941 nach Palästina fliehen. Seine Eltern, Schwester und nahe Verwandte wurden 1942 in Auschwitz Birkenau ermordet. Rübner begann als Schafhirt im Kibbuz Merchavia, wo er heute noch mit seiner Frau Galila lebt, wurde Bibliothekar, Literaturlehrer, emeritierte schließlich 1992 als Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Haifa, ohne je eine akademische Ausbildung genossen zu haben. Seit 1953 schrieb er Gedichte auf Ivrit, seit den 1990er Jahren schreibt er auch wieder Deutsch und übersetzt sich selbst ins Deutsche.
Von ihm sind 13 Gedichtbände in Israel erschienen und sechs in Deutschland, zuletzt 2007 "Wer hält diese Eile aus". 2004 erschienen seine Erinnerungen "Ein langes kurzes Leben" bei Rimbaud in Aachen. 2008 erhielt er auch den Israel Preis für Poesie.

Sprache ist ihm kein Trostmittel, sie verspricht keine Heilung. Sie ist ihm vielmehr der quälende, beunruhigende Weg zwischen Rede und Verstummen. Oft versenkt er den fragenden Blick in die Bilder alter Meister und in die von Städten, sucht in den kleinsten Dingen noch Antwort. Rübners Dichtung unternimmt es, der Furie des Verschwindens Einhalt zu gebieten, schafft im Fluss der Worte kunstvoll Zwischenräume und Atempausen. "In Österreich ist man sich der Bedeutung seiner stillen, hoch konzentrierten Dichtung noch zu wenig bewußt." (Gertrud Spat)

Siglinde Bolbecher, Historikerin und Exilforscherin, Herausgeberin der Zeitschrift "Zwischenwelt", lebt in Wien. Veröffentlichte zuletzt: Frauen im Exil (2007).

Ein Gedicht Rübners aus der großen Anthologie "In welcher Sprache träumen Sie?" (Wien 2007):

Fast immer

Fast immer
fast

Aug in Aug,
ein Wort, das stimmt, fast
Mund an Mund,
Leib in Leib, sterbend

fast

1997)

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