Ausstellung
Arthur Schnitzler:
Affairen und Affekte

Konzept: Evelyne Polt-Heinzl und Gisela Steinlechner
Gestaltung: Peter Karlhuber

Ausstellungsdauer:
25. Juni bis 22. August 2008
Öffnungszeiten:
täglich außer Montag von 10.00 bis 15.00 Uhr


Um Affairen und Affekte geht es nicht nur im Werk Arthur Schnitzlers, sie begleiten auch dessen Wirkungsgeschichte.

Drei bekannte Werke Schnitzlers sind dafür beispielhaft. Der Reigen, geschrieben 1896/97, und die beiden Monolognovellen Lieutenant Gustl (1900) und Fräulein Else (1924): Ein Karussell erotischer Begegnungen, ein verstörter junger Mann und ein bedrängtes Fräulein. Die Ausstellung macht diese Erzählwelten durchlässig und eröffnet intime Einblicke in die Kultur und Mentalitätsgeschichte.

Es beginnt - ohne Vorspiel - mit Schnitzlers mechanistisch gefügtem „Liebesreigen”. Quer durch die Gesellschaftsschichten führt er nach einander zehn Paare zum Liebesakt zusammen. Verborgen hinter den Gedankenstrichen am „Höhepunkt” der Szenen, zeigt das Stück Sexualität als zentrale Triebkraft. Die Verkettung der Paarkonstellationen entwirft auch das Modell einer lückenlosen Ansteckung - es beginnt und endet bei der Prostituierten. Die Ausstellung inszeniert das Stück und die heftigen Reaktionen darauf als Sittenbild einer Epoche.

„Fräulein Else” präsentiert sich in der Ausstellung im Hotelambiente, mit Themenfenstern zur prekä¬ren Situation der jungen Frau in der bürgerlichen Gesellschaft der Jahrhundertwende. Im Grandhotel als Gast der reichen Tante wird die 19-jährige Else konfrontiert mit der herrschenden Doppelmoral und kann in dieser Welt ihren Ort nicht finden. Wie Kleider probiert sie Rollen an, die in der Ausstellung eine Revue sozialer Zuschreibungen und künstlerischer Inszenierungen des Frauenbildes ergeben. Ob „sporting girl”, reiche Gattin oder Edelhure, für Else, zum Tauschobjekt degradierte Tochter eines Defraudanten, enden alle Hotelwege beim erotisch aufgeladenen Thema: die Frau und das Geld. Und von hier führt eine Verbindung zur Entstehungszeit der Novelle in den 20er Jahren, als Inflation, Nackttänze und Revuegirls die Gemüter bewegten.

Ein atmosphä¬rischer Hörraum inszeniert schließlich die Gedankenwelt des jungen Leutnant Gustl, der durch das nächtliche Wien wandert. Hörinseln und assoziative Bildwerte führen in Gustls „Kopfraum”, mit all seinen Widersprüchen, Hohlheiten und unfreiwilligen Geständnissen. Gustls Konflikt mit seinem Ehrbegriff ist die Analyse eines spezifischen Milieus und Männerbildes um 1900; für Schnitzler selbst endete die „Affaire” mit der Aberkennung seines Offiziersrangs.



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