Buchpräsentation
Dienstag, 28. Oktober 2008

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Tinternational Textunternehmen

SABINE SCHOLL und LYDIA MISCHKULNIG:
Böhmische Bibel - Unheilige Schrift für Puppen in 5 Bänden

(Wieser-Verlag, Klagenfurt/Celovec)

Lesung mit den Autorinnen aus dem
1. Buch FIONA und dem
2. Buch LIBUSE


Veranstaltet mit: Wieser-Verlag, Klagenfurt/Celovec
Sabine Scholl und Lydia Mischkulnig sind eine literarische Bewegung, und sie wurde gegründet in Tokyo 2007 und heißt: TINTERNATIONAL TEXTUNTERNEHMEN
Das erste gemeinsame Werk ist die „Böhmische Bibel - Unheilige Schrift für Puppen”
Die böhmische Bibel verquickt Mythos und Müll zu Puppen, in denen
Menschen stecken. Ein Arzt, der Traumfrauen verwirklicht und Kinderwünsche erregt. Ein japanischer Zauberer mit Rucksack statt Hut. Politische Erlöser und Menschenrechtsverteidiger, die sich nicht mögen. Eine Plastikmutter und ein Kind der Hoffnung.

Zur Methodik von TINTERNATIONAL TEXTUNTERNEHMEN:
Die Autorinnen Lydia Mischkulnig und Sabine Scholl erarbeiten Satz für Satz gemeinsam. Unbedingtes Einlassen auf die Sprache des anderen ist ihr Credo, ihre Kunst ist Verstehen und daraus Geschichte zu entwickeln und Geschichten.
Die Utopie liegt darin, den sprachlos Gewordenen ein Haus Böhmen zu geben, Literatur als wechselnder Ort, als neue Heimat.

Zum Buch:
Fiona lag flach, auf dem Bett in Kierling.
Sie spürte das Sticheln in ihren Eingeweiden, als Yoshis Spermien ihre Eizelle umschwärmten und ihr Köpfchen durch die Membran der Eizelle zu stoßen versuchten. Nach sekundenlangem Kampf gelang es dem ersten Samenzellchen, in die Eizelle einzudringen und mit dessen Kern zu verschmelzen. Kurz darauf machte es plops und die Eizelle teilte sich in sanfter Detonation. Und immer weiter zu, plops, plops, plops, eine Kette von kleinen Detonationen erzeugend, bis sich ein Embryo aus dem Zellhaufen zu formieren begann, und sich vom Fischchen, zum Echsentierchen und weiter zum Menschen entwickelte und schließlich nur mehr wuchs und wuchs. In Fionas Bauch herrschte feuchtwarme Geborgenheit, die auch ein Mann wie Johnson sich gewünscht hätte. Er war zerplatzt, wie ein schutzloser Astronaut im All, den das Mutterraumschiff ausgespuckt hatte, noch ehe er Fiona begatten hatte können. Yoshi war der glückliche Vater. Er streichelte Fionas anschwellenden Bauch und legte auch sein Ohr an, um das Ungeborene akustisch zu erfassen. (Textauszug)

Lydia Mischkulnig, 1963 in Klagenfurt geboren, lebt in Wien, schreibt seit 1991.
Studien: Buehnenbild an der Universität für Musik und darstellende Kunst
in Graz; Film, Drehbuch und Produktion, an der Universität für Musik und
darstellende Kunst in Wien, Filmakademie.
Werke u.a.: ”halbes leben”, Droschl, Graz 1994; ”hollywood im winter”, Haymon, Innsbruck 1996; ”sieben versuchungen”, DVA muenchen 1998; ”umarmung”, DVA, Muenchen, 2002. Anthologien u.a.: ”Beste deutesche Erzähler”, hrsg. Verena Auffermann, DVA, Muenchen 2000.
Preise und Stipendien u.a.: Bertelsmann Literaturpreis 1996; Manuskriptepreis 2004;
Elias Canetti Stipendium 2007.
Lehrtätigkeit als Schriftstellerin und Künstlerin.

Sabine Scholl lebt nach Aveiro, New York und Chicago heute in Berlin, unterrichtet Creative Writing und hält Gastvorlesungen an verschiedenen Universitäten, zuletzt in Nagoya / Japan. Zahlreiche Bücher: 1992 erhielt sie für die Erzählungen "Fette Rosen" den Rauriser Literaturpreis. In den letzten Jahren publizierte sie den Roman "Die geheimen Aufzeichnungen Marinas" 2000, die literarischen Reiseführer ”Sehnsucht Manhattan” 2004, ”Lissabonner Impressionen” 2005, sowie ”Sprachlos in Japan. Notizen zur globalen Seele” 2006. Gründung von Tinternational Textunternehmen mit Lydia Mischkulnig, Tokyo 2007.
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