Ausstellungseröffnung
Mittwoch, 9. Dezember 2009

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

„Peter Handke: Werkschau. Manuskripte und Fotos aus fünf Jahrzehnten”. Eine Ausstellung des Österreichischen Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek in Kooperation mit dem Literaturhaus Wien, dem Stefan Zweig Centre Salzburg und dem StifterHaus
Ausstellungsdauer: 10. Dezember 2009 bis 9. Februar 2010
Öffnungszeiten: täglich außer Montag 10 bis 15 Uhr

Als Kind habe ich natürlich mit der Hand geschrieben, und auch als Heranwachsender hat man halt herumgefummelt, da gab es ja keine Schreibmaschine im Internat, und dann später auch nicht. Meine ersten Prosatexte habe ich dann mit der Maschine geschrieben, handschriftlich ging das nicht - mir war das Tabu, denn ich dachte: Du kannst keine Literatur machen mit der Handschrift. Aber sobald ich dann die Lettern gesehen hab, war mir das Schreiben möglich. Heutzutage hat keiner mehr ein Problem mit dem Schreiben. Aber ich hab's eigentlich immer noch. Mit dem Vorgang des Schreibens - ich glaube immer noch, dass ich ein Schwindler bin. Dass es ein Tabu ist.
(Peter Handke in einem Interview vom 1. April 2009, aus dem Katalog der Ausstellung)


PETER HANDKE, geboren 1942 ist ein österreichischer Schriftsteller von europäischem Rang. Beflügelt von frühen Erfolgen hat er in einer jahrzehntelang weiterentwickelten Schreibarbeit betont eigenständige Werke geschaffen. Oft setzen sich diese planvoll gegen äußere Vorgaben zur Wehr. Gesellschaftliche und politische Fragen meidet Handke dabei nicht. Auch an den viel diskutierten Jugoslawien-Aufsätze wie zum Beispiel „Eine Winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien” aus dem Jahr 1996 (in der Ausstellung als Typoskript) wird klar: Aus dem alltäglichen Schreiben und den konkreten Ausformungen der Schrift gewinnt er die dazu notwendige poetische Kraft.

In acht Kapitel gegliedert zeigt die von Klaus Kastberger und Katharina Pektor kuratierte Ausstellung Werkmaterialien und Fotos aus fünf Jahrzehnten und gibt damit einen Blick in die Werkstatt des Autors frei. Als frühestes Zeugnis ist ein Schulaufsatz des 14-jährigen Peter Handke mit dem Titel „Meine Füllfeder” zu sehen. Ein Schwerpunkt ist dem Genrewechsel gewidmet, den Handke mit der auch als Film umgesetzten Erzählung „Die linkshändige Frau” (1976) vollzieht. Eine Schreibkrise dokumentiert das Buch „Langsame Heimkehr” (1979), das den Autor von Alaska über New York zurück nach Österreich geführt hat. Erwanderte Poetiken stehen auch in Büchern wie „Die Lehre der Sainte-Victoire” (1980) und „Die Wiederholung” (1986) im Zentrum. Als einen „Ortsschriftsteller” bezeichnet sich Handke selbst. Die Werkmaterialen aus seiner Salzburger Zeit (1979-1987) zeigen dies: In Wanderkarten und Fotos von Schauplätzen dokumentieren sich Routen durch die Welt und durch seine Bücher.

Beginnend mit dem „Versuch über die Müdigkeit” (1989) schreibt Handke seine Prosaarbeiten, teilweise aber auch Theaterstücke wie „Die Fahrt im Einbaum” (1999) und andere Texte mit dem Bleistift. Schon Jahre zuvor hatte er dieses Schreibgerät in seinen Journalen mit Lobeshymnen bedacht. Am Manuskript der „Morawischen Nach” (2008) wird deutlich, wie sehr der Autor, seit er in dem 1990 erworbenen Haus in Chaville im Südwesten von Paris lebt, diese neue Art des Schreibens perfektioniert hat: Ein mehrere hundert Seiten umfassendes Bleistiftmanuskript, fast ohne Korrekturen, gefertigt in stetig anwachsenden Portionen tagtäglicher Schrift.

Die Exponate der Ausstellung entstammen dem Ende 2007 angekauften Vorlass Peter Handkes am Österreichischen Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek sowie der Sammlung Peter Handke von Hans Widrich, die sich seit Mai 2009 als Leihgabe am Österreichischen Literaturarchiv befindet.
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