Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1

Paul Celan: Mohn und Gedächtnis (1952)

Lesung und Kommentar: ROBERT SCHINDEL
Referat: AXEL GELLHAUS

„Es war nicht seine erste Publikation und - streng genommen - nicht sein erster Gedichtband, aber mit ‚Mohn und Gedächtnis’ trat Celan erstmals an eine breite Öffentlichkeit und bekundete mit einem Schlag seinen Anspruch und seine Bedeutung für die Dichtung nach 1945. Der Band ist kein einheitlich durchgestalteter Zyklus; er vereint frühe Gedichte, deren Ton und deren formale Gestaltung noch an die Jugendlyrik der Czernowitzer Zeit erinnern, mit solchen, die in den Monaten in Wien oder der ersten Zeit in Paris entstanden. Einige sind zwar Liebesgedichte (gewidmet Ingeborg Bachmann), wenn auch solche, die zugleich bitter sind von der Erfahrung der Heimatlosigkeit, andere sind orphische Besuche im Jenseits der verlorenen Menschen. Zwischen den früheren, die Celan aus dem Zyklus ‚Der Sand aus den Urnen’ übernommen hat, und den neueren Gedichten steht als unübersehbare Zäsur die ‚Todesfuge’. Kein anderes Gedicht ist so unlösbar verbunden mit der epochalen Frage Theodor W. Adornos, ob es denkbar sei, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben.”
(Axel Gellhaus)


Robert Schindel, geboren 1944 in Bad Hall als Sohn österreichischer Juden, die zu dieser Zeit eine kommunistische Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus aufbauen wollten. Der Vater starb in Auschwitz, die Mutter überlebte. Robert Schindel wuchs im Umfeld der KPÖ auf, war nach 1968 von der radikalen studentischen Linken beeinflusst, studierte vorübergehend Jura und Philosophie, sicherte seinen Lebensunterhalt hauptsächlich durch Jobs. Schon in den sechziger Jahren veröffentlichte er auch literarische Arbeiten. Er war Mitbegründer der Gruppe "Hundsblume". Seit 1986 erschienen bei Suhrkamp mehrere Gedichtbände und Erzählungen von Robert Schindel. Publikationen u. a.: "Gebürtig", Roman, Frankfurt/Main 1992; "Die Nacht der Harlekine", Erzählungen, Frankfurt/Main 1994; "Gott schütze uns vor den guten Menschen", Frankfurt/Main 1995.
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