Echt/falsch - Vortragsreihe
Dienstag, 2. Dezember 2003
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr

Mystifikationen in/als Literatur - Arbeit am Mythos Stifter
Vortrag: DOZ. DR. RALF GEORG BOGNER (Universität Rostock - Wels):
Beginn der Errichtung eines Denkmals

Ralf Georg Bogner, geboren 1967 in Wels/O.Ö., Studium Deutsche Philologie,
Philosophie, Geschichte, Mittel? und Neulatein in Wien, Heidelberg und Berlin, Magister 1990, Promotion 1993, unterschiedliche Forschungs? und Lehrtätigkeiten an den Universitäten Aachen, Frankfurt/Main, Hamburg, Heidelberg, Mannheim und Saarbrücken, seit 2001 wissenschaftlicher Assistent und Dozent am Institut für Germanistik der Universität
Rostock, gleichzeitig Sokrates?Gastdozenturen in Kopenhagen/Dänemark, Lodz/Polen und Halden/Norwegen, Arbeitsschwerpunkte in der deutschsprachigen Literatur der Frühen Neuzeit und der österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, ferner in der Geschichte der Rhetorik und Poetik und bei interkulturellen Literaturbeziehungen und
bei der Editionsphilologie, zahlreiche Buch? und Aufsatzpublikationen auf diesen Gebieten, neben der wissenschaftlichen Arbeit auch literarisch tätig.


Hermann Friedls (1920-1988) fiktionale Dichterbiografie ”Beginn der Errichtung eines Denkmals. Variationen zu dem Thema Adalbert Stifter” ist als Briefroman angelegt. Ein fiktiver Briefwechsel ist es, der die „Story” liefert: Johann Aprent, Stifters Linzer Freund und Nachlassverwalter, korrespondiert zum Zwecke der Abfassung einer idealisierenden Biografie kurz nach Stifters Tod mit Freunden und Persönlichkeiten aus dessen Umfeld, darunter Verleger Gustav Heckenast und Franz Stelzhamer. Der Briefwechsel bringt für Aprent (wie auch für den Leser / die Leserin) nicht den erhofften Aufschluss: vielmehr kommt durch die wechselnden Perspektiven, aus denen berichtet wird, ein Charakter zum Vorschein, der Aprents Intentionen, ein harmonisch-geschlossenes Stifter-Bild zu entwerfen, nicht gerecht wird. Aprents Versuch, Stifter als bescheidenen, innerlich ausgewogenen Menschen zu schildern, sein Leben (und Sterben) von allen Makeln reinzuwaschen (und somit auch den Selbstmordversuch zu negieren), stehen die Aussagen der Freunde gegenüber, die Stifter als genusssüchtig, aufbrausend, zu Zeiten aber melancholisch darstellen. Aprents biografisches Unternehmen ist denn auch zum Scheitern verurteilt, Friedls Buch über die Schwierigkeiten einer biografischen Annäherung an Stifter wird zum Dokument dieses Scheiterns. Am Ende des Buches zitiert Hermann Friedl, wiederum fiktiv, „aus den Papieren des Johann Aprent”: Während ich von meiner Eitelkeit Abschied genommen habe, ist mir die Erkenntnis zuteil geworden, dass, um die Wahrheit zu erreichen, man wissen müsste, was die Wahrheit war.”
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