Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945
Dienstag, 3. Mai 2011
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr

CHRISTOPH RANSMAYR: Morbus Kitahara
(S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1995)
Lesung mit dem Autor

Referat: KARL WAGNER (Zürich)
Moderation: KLAUS KASTBERGER (Wien)

„Christoph Ransmayrs dritter Roman ist eine Distopie, angesiedelt in einer Topographie des Terrors und der Gewalt, mit zeichenhaften Verweisen auf das Salzkammergut und das verzweigte Lagersystem des KZ Mauthausen. Der „Friede von Oranienburg” diktiert die Voraussetzungen für das Leben nach dem großen Krieg: Rituale der Sühne und des Erinnerns sind eine andere Einübung ins Vergessen, der Landstrich um das Kaff Moor ist Besatzungszone und wird per Verordnung in archaisch-primitive Lebensformen versetzt. Das ehemalige Opfer der Tortur, Ambras oder der „Hundekönig”, wird zum verhassten Aufseher des Steinbruchs Moor, der Sohn des Schmieds, Bering, sein Leibwächter, seine Angebetete, Lily, ist Grenzgängerin zwischen den Zonen und träumt von Brasilien, wo es, mit dem Romanbeginn vorweggenommen, zum tödlichen showdown kommt. Mit verfinstertem Blick beschreibt Ransmayr die geschichtete Geschichte einer zur Umkehr unfähigen Nachkriegsgesellschaft und die „lange Dauer” (natur)geschichtlicher Erosionsprozesse.” (Karl Wagner)
CHRISTOPH RANSMAYR, 1954 in Wels/OÖ geboren, lebt in West Cork/ Irland und Wien. Seine Romane wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Buchveröffentlichungen u. a.: „Die Schrecken des Eises und der Finsternis”, Roman, Wien-München 1984; "Die letzte Welt", Roman. Mit einem Ovidischen Repertoire, Frankfurt/Main 1988; "Morbus Kitahara", Roman, Frankfurt/Main 1995; "Der Weg nach Surabaya. Reportagen und kleine Prosa", Frankfurt/Main 1997; „Der fliegende Berg”, Roman, Frankfurt am Main 2006; „Damen & Herren unter Wasser”. Eine Bildergeschichte nach 7 Farbtafeln von Manfred Wakolbinger, Frankfurt am Main 2007
KARL WAGNER lehrt seit 2003 Neuere deutsche Literatur an der Universität Zürich. Forschungsschwerpunkte: Literatur(theorie) des 19. und 20. Jahrhunderts; Kulturtransfer und interdisziplinäre Fragestellungen.
Zahlreiche Publikationen, zuletzt erschienen: „Weiter im Blues”, Studien und Texte zu Peter Handke, 2010; "Er war sicher der Begabteste von uns allen". Bernhard, Handke und die österreichische Literatur, 2010; (Mithrsg.): Figuren der Übertragung. Adalbert Stifter und das Wissen seiner Zeit, 2009; Medien, Technik, Wissenschaft. Wissensübertragung bei Robert Musil und in seiner Zeit, 2011.
 Zurück
IMPRESSUM © 2016 Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich / StifterHaus – Literatur und Sprache in OÖ.
Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

Stichwörter zur oberösterreichischen Literaturgeschichte

weiter >>
(Nach)SommerTag<br />20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

(Nach)SommerTag
20 Jahre StifterHaus neu * Der Film

weiter >>