Ausstellungseröffnung
Dienstag, 27. März 2012, 20:00 Uhr
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 20:00 Uhr

FÜR DIE BEWEGLICHKEIT. Kreuzungen,
Paraphrasen: Bauer - Dodel - Métail

Eine Doppelausstellung mit JOSEF BAUER (Linz),
FRANZ DODEL (Bern) und MICHÈLE MÉTAIL (Lasalle/FR)

in der Künstlervereinigung MAERZ und im StifterHaus

Eröffnung im StifterHaus:
Grußworte durch Dr. ERICH WATZL, Vizebürgermeister der Stadt Linz
Rede zur Ausstellung: GERHARD SPRING
Sprech-Aktion „X-mal”: MICHÈLE MÉTAIL

VORAB-Eröffnung in der MAERZ: 18:30 Uhr (mit Gespräch STEINBACHER/BAUER)

Im Rahmen des Festivals „Für die Beweglichkeit”
(Konzept: CHRISTIAN STEINBACHER/FLORIAN HUBER)

Ausstellungsdauer:
28. März bis 15. April 2012
Öffnungszeiten:
täglich, außer Montag, 10 bis 15 Uhr (StifterHaus); 12 bis 17 Uhr (MAERZ)


NICHT BEI TROST: In der Umsetzung seines gleichnamigen, endlosen Textprozesses als Buch versieht FRANZ DODEL die je gegenüberliegenden Seiten mit „Kommentaren” als Text- und Bildzitate, die den fortlaufenden Text grundieren und verknüpfen. Das dabei einfließende Bild-Material wurde für die Bücher en miniature nachgezeichnet, existiert aber auch als eine die diversen Quellen materialisierende Fundstücksammlung. Zur Darstellung der prozessualen VERNETZUNG QUELLE/TEXT lassen sich beim Anbringen an einer Wand die Quellen mit Fäden an die betreffenden Stellen im Text binden. Das sich ergebende Geflecht hat eine eigene Wirkung und weist - als Wechselprozess aus LESEN UND SCHREIBEN - auf Grundlagen des poetischen Fügens.

X: Eine Klammer zur letzten Festivalausgabe bietet MICHÈLE MÉTAIL, die 2009 gemeinsam mit Louis Roquin die akustischen Komponenten ihrer Poesie vermittelte. Métail arbeitet wesentlich auch im Bereich Visueller Texte. PARAPHRASIERUNGSASPEKTE prägen ihr Tun allein schon, da sie - über die Gruppe „Les arts contigus” mit der spartenübergreifenden Begegnung künstlerischer Verfahren vertraut - für ihre Poeme oft Formate aus anderen Medien übernimmt. Eines ihrer Endlos-Projekte - auch Métail zielt auf endlose Prozesse - ist der „Gigantexte n°6” „X-Libris” (1994-2012) für den sie gefundene „X” (als Zeichen, als Figur, als Schema, usw.) von Fernost bis zu ihrem Wohnort fotografierte. Ergänzt werden die Fotos (die in der MAERZ über Bildschirme laufen und im StifterHaus als Print gehängt sind) durch Sätze, die auf der rhetorischen Figur des Chiasmus, also ebenso einer KREUZUNG beruhen.

UND: Das exemplarische Werk des Linzer Künstlers JOSEF BAUER fand auch im internationalen Feld der Sprachkunst stets große Beachtung. Sein Werk charakterisiert unter anderem, dass der Künstler einzelne Aspekte und Elemente immer wieder neu aufgreift, dies jedoch nicht etwa nur als PARAPHRASIERUNG von scheinbar bereits Abgelegtem, sondern im Sinne eines nicht abschließbaren Prozesses der „Veranschaulichung differenzierter Erkenntnissituationen” (Martin Hochleitner). Die (gemeinsam von den Kuratoren mit dem Künstler erfolgte) Auswahl an Exponaten zur Herausstreichung der Abwandlung bestimmter Fragestellungen stellt auch zeitlich weit auseinander liegende Arbeiten gegenüber. Im StifterHaus zu sehen sind Formgebungen, die alle das Wort „und” enthalten. Und in der MAERZ findet sich das Prinzip der Zeilen in Arbeiten von den 1960er-Jahren bis heute sowie eine neue Arbeit, die den Aspekt des KREUZENS zweier Ebenen thematisiert.

JOSEF BAUER, geboren 1934 in Wels, lebt in Linz. 1958-1964 Studium der Malerei an der Kunstschule der Stadt Linz. Bauers Werk fand bald (etwa über die Modelle seiner „Hinstellungen”, Wien 1968) Beachtung in der Bildenden Kunst, aber auch im Feld der Neuen Poesie. Der Künstler, der noch in den 1960er-Jahren für Teile seiner Arbeit den Begriff „taktile Poesie” gefunden hat, ist Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ, war aber auch Mitglied des Bielefelder Colloquiums für neue poesie und beteiligte sich mehrfach an Ausstellungen in Hinblick auf eine „Kunst als Sprache”. Sein Werk umfasst Installationen ebenso wie Arbeiten mit Farbnamen, Plakatabrisse oder „Hinzufügungen”. (Zur Entwicklung des Bauer’schen Œuvre siehe: Martin Hochleitner, „Bauer Knogler Lichtenauer Avantgarden z.B.”, Kataloge der Oö. Landesmuseen N. S. 21, Linz 2004.)

FRANZ DODEL, geboren 1949 in Bern, wo er nach wie vor lebt, studierte Theologie und promovierte mit einer Arbeit über die Spiritualität der Wüstenväter. Seit 2002 arbeitet er an dem sich wie von selbst fortspinnenden Textprozess „Nicht bei Trost”. Zuletzt in Buchform daraus erschienen 2008 „Nicht bei Trost. Haiku, endlos” und 2011 „Nicht bei Trost. Carmen infinitum” in der Edition Korrespondenzen. Daneben publizierte er zuletzt „Von Tieren” (edition taberna kritika,
Bern 2011) und arbeitet täglich an dem ‚An-Denken‘ „I’m not alone” (auf ).

MICHÈLE MÉTAIL, geboren 1950 in Paris, lebt als Dichterin und Sinologin in Lasalle (Nähe Nȋmes) und leitet mit Louis Roquin den Verein „Les arts contigus”, der sich mit der Gegenüberstellung diverser künstlerischer Ausdrucksweisen beschäftigt. Ihre Bücher in Frankreich erschienen zumeist in ihrem Stammverlag Tarabuste. Auf Deutsch: „Gehen und Schreiben. Ein Gedächtnisinventar” (DAAD, Berlin 2002) und in der Edition Korrespondenzen „2888 Donauverse” (2006) sowie „Weg, fünf Füße breit” (2009). Letzte Ausstellungen in Marseille, 2009, in Castelló/ES, 2010, und in Cavaillon/FR, 2011.

GERHARD SPRING, geboren 1962 in Scheibbs (Niederösterreich), lebt als Künstler in Wien. Studierte Musik, Bühnenbild und visuelle Mediengestaltung (1979-1999). Internationale Ausstellungsbeteiligungen, Veranstaltungen, Aktionen und Veröffentlichungen im Duo „Deutschbauer/Spring” (2000-2007). 2007 Gastdozentur an der FHfG Zürich zu „Rhetorik in Kunst und Politik”. Seit 1992 zahlreiche Publikationen, zuletzt ein Essay im Passagen Verlag zur Theorie der Metapher unter dem Titel „Figur ohne Grund” (2008).

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