Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945
Montag, 26. November 2012
Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19:30 Uhr

ELFRIEDE CZURDA: Die Giftmörderinnen
(Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1991)
Lesung mit der Autorin
Referat: HEINZ-PETER PREUßER
Moderation: KLAUS KASTBERGER

Ein Kooperationsprojekt der Alten Schmiede, Wien
und des StifterHauses

„,Die Giftmörderinnen’ könnte man als Reminiszenz an den militanten Feminismus verstehen. Aber dieses zugleich beeindruckende und wunderliche Werk der Sprachartistin Elfriede Czurda zeigt vor allem, wie sich Macht verdichtet im gedachten und ausgesprochenen Diskurs, wie sich Welt bildet in der radikalen Prägung unserer Protagonistin durch das Wort, über das sie selbst nicht verfügt; aber ihre Autorin in ganz einzigartiger Weise. Der Titel lässt am letalen Ausgang gescheiterter Paarbindungen von Anfang an keinen Zweifel. Was sich entwickelt, ist deshalb nicht auf Spannung hin erzählt, sondern von erschreckender Folgerichtigkeit. Die Erzählstimme verfügt zugleich allwissend über ihre Figuren, gibt aber auch, fast unmittelbar, Gedankeninhalte als inneren Monolog und als Bewusstseinsstrom wieder: So lässt sich die Erzählposition nie klar fixieren. Der Roman changiert virtuos zwischen den Zeiten und den Redeoptionen, blendet Briefpassagen ein, modelliert die Stimmen der einzelnen Figuren. Erst im wilden Zertrümmern des Sprachmaterials durchschaut Else, die heilige Einfalt, das Gefängnis des Diskurses, in dem sie gefangen war. Und in der materiellen Zelle erreicht sie, paradoxer Weise, wieder die Freiheit der Imagination und die Chance, von ihrem realen, fürchterlichen Leben absehen zu können.” (Heinz-Peter Preußer)

ELFRIEDE CZURDA, geboren 1946 in Wels, lebt nach Jahren in Berlin in Wien. Sie veröffentlicht Romane („Diotima oder die Differenz des Glücks”, 1982; „Signora Julia”, 1985; „Kerner”, Abenteuerroman, 1987; „Die Giftmörderinnen”, 1991; „Die Schläferin”, 1997) und Lyrik (z. B.: „ein griff - eingriff inbegriffen”, 1979; „Fälschungen”, 1987; „Das Confuse Compendium”, 1991; „voik”, 1993; „UnGlüxReflexe”, 1995; „wo bin ich wo ist es”, 2002). Zuletzt erschienen: „Krankhafte Lichtung”, Berlin 2007; „ich, weiß”, Wien 2008; „Untrüglicher Ortssinn”, Berlin 2009; „Ich war nie in Japan”, Wien 2010 (mit M. Bussmann).

HEINZ-PETER PREUßER, geboren 1962; Studium der Neueren Deutschen Literatur,
Linguistik, Theater- Film- und Fernsehwissenschaften an der Freien Universität Berlin, seit 2004 Professur für die Neuere und neueste Literaturgeschichte an der Universität Bremen.
Publikationen (Auswahl): „Shoah, Nationalsozialismus und deutsches Leid. Zur Transformation des Erlebten in Autobiografie und Roman, in Fotografie und Geschichtsschreibung”, 2004; Mit Bettina Gruber Herausgeber u. a. von „Weiblichkeit als politisches Programm? Sexualität, Macht und Mythos”, 2005; „Pandora. Zur mythischen Genealogie der Frau”, 2012.
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