QUELLEN UND HILFSMITTEL

Für die Namenforschung in Oberösterreich gibt es einige wichtige namenkundliche Werke, Quellensammlungen und Hilfsmittel, die für die Lokalisierung und Beschreibung von möglichen Ausgangspunkten für Familiennamen dienen können.

Ortsbezogene Quellen: Kartenwerke

Zur Orientierung in der gegenwärtigen Landschaft Oberösterreichs können die vom Digitalen oberösterreichischen Rauminformationssystem (DORIS) angebotenen Basiskarten genutzt werden, vgl. www.doris.ooe.gv.at.


Abb.: Ausschnitt aus Nicolas Visscher (1702 ff.): Austriae Archiducatus Pars Superior  (© Land Oberösterreich, Oö. Landesarchiv)
 

Zur historischen Orientierung dienen die ebenfalls auf DORIS angebotenen, georeferenzierten Kartenblätter der Urmappe des Franziszeischen Katasters, die in Oberösterreich zwischen 1823 und 1830 angelegt wurden. Diese bilden eine Quelle von unschätzbarem Wert, da sämtliche Namen bis hinab auf die Ebene der Flurnamen durchsuchbar und lokalisierbar sind.

Weiters sind die drei österreichischen Landesaufnahmen (LA) aus dem 18. und 19. Jahrhundert (Josephinische LA 1763–1787, Franziszeische LA 1806–1869, Franzisco-Josephinische LA 1869–1887) zu nennen, die auf der Plattform www.mapire.eu benutzbar sind. Das historische Namenmaterial ist hier zwar nicht durchsuchbar, dennoch bilden diese Karten eine wertvolle Ergänzung bei der Suche nach Namenbelegen.

Für urkundliche Belege und Etymologien steht das Oö. Ortsnamenbuch (Peter Wiesinger u.a.: Ortsnamenbuch des Landes Oberösterreich 1989ff.) zur Verfügung. Auch die bisher nicht erschienenen Bände sind so weit gediehen, dass fast alle vorgesehenen urkundlichen Belegreihen vorhanden und für Forschungszwecke benutzbar sind. Ergänzend dazu besteht Schiffmanns Ortsnamenlexikon (Konrad Schiffmann: Historisches Ortsnamen-Lexikon des Landes Oberösterreich. 2 Bände, Linz 1935; Ergänzungsband, Berlin/München 1940). Darin sind auch die Namen vieler alter Einzelhöfe enthalten und mit historischen Belegen versehen.

Das ebenfalls auf DORIS verfügbare Projekt Hofnamen und Häusergeschichten bietet die Möglichkeit, auf Grundlage der Urmappe für jedes Anwesen – vom großen Gutshof bis zum kleinen Häusel – die Hofnamen, die Grundherrschaft und die wichtigsten Daten aus den Quellen des 18. Jahrhunderts (Altes Grundbuch, 1790–93; Josephinisches Lagebuch, 1787; Theresianisches Gültbuch, 1780; Hofanlagsbuch, 1760; Güterkonskription 1752) abzurufen. Nach derzeitigem Stand (Oktober 2016) ist der westliche Landesteil, das Innviertel, öffentlich zugänglich; die Bearbeitung des östlich anschließenden Hausruckviertels ist bereits weit fortgeschritten.


Personenbezogene Quellen: Urbare, Kirchenbücher, Akten usw.

Vor Einführung der Kirchenbücher bilden die grundherrschaftlichen Urbare (Steuerverzeichnisse) die Hauptquelle für die Namenforschung. Allerdings finden sich darin meist keine Angaben über Frauen und bis auf wenige Ausnahmen auch keine Angaben zu Verwandtschaftsverhältnissen, Geburt, Heirat oder Tod.

Abb.: Urbar Greinburg, ca. 1658, mit bereits genauer Erfassung der Bauerngüter (© OÖ. Landesarchiv, Herrschaftsarchiv Greinburg)
 


Kirchenbücher sind für die oberösterreichischen Pfarren relativ vollständig erhalten, auch während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) und bei der Zweiten Türkenbelagerung (1683) ist es kaum zu Verlusten gekommen.

Der Zugang zu den Kirchenbüchern (Pfarrmatriken) ist in zweifacher Weise gegeben:
  • über schriftliche Register im Lesesaal des Oö. Landesarchivs,
  • über die Online-Plattform „Matricula“ (www.matricula-online.eu), auf der die digitalisierten Kirchenbücher nahezu aller Pfarren in Oberösterreich zur Verfügung stehen.

Abb.: Früher Beginn der Matrikenführung in der Pfarre Bad Kreuzen 1607
 


Ab dem 17. Jahrhundert sind neben Kirchenbüchern auch häufig Akten der Grundherrschaften (Verlassenschaftssachen, Erbfälle) vorhanden. Dabei ist es sinnvoll, beide Überlieferungsstränge zu vergleichen, um gesicherte Personendaten zu erhalten.
Eine gewisse Schwierigkeit bei der Interpretation historischer Familiennamen bilden die in Kirchenbüchern häufig anzutreffenden Schreibvarianten, die auch innerhalb ein und derselben Familie oft sehr unterschiedlich ausfallen können. Einen Eindruck von der Variabilität historischer Familiennamen geben Konkordanzen, die zu den Regesten oberösterreichischer Pfarrmatrikeln angefertigt wurden.


Beispiele für Konkordanzen von Familiennamen (nach Josef Heider: Regesten zu den Kirchenbüchern, Linz, OÖ. Landesarchiv):
 
Variante 1 Variante 2 Variante 3 Variante 4
Aholder Apoldinger Arnoltinger  
Epinger Öppinger Ippinger  
Gerstmayr Gestinger Gerstner  
Göttweiher Göttweiler Göttwaller Göballer
Maringer Marchinger Marchmüller  
Prein Preiner Preining Preininger
Reissenzahn Reissenzaun Eisenzaun  
Ranabauer Ranerbauer Ranetbauer Ranaberger
Stöbich Stöbig Stöby Stöbinger
Veichtner Veichtinger Veithner Veichter
Zeiritzer Seirizer Zeizinger  



Karl HOHENSINNER: Flurnamen in Oberösterreich – Historische Quellen, Erfahrungen und neue Forschungsperspektiven. In: Namen und Kulturlandschaften. Hrsg. von Barbara Aehnlich und Eckhard Meineke. Leipzig 2015, S. 105–157.
Download: Aufsatz_Flurnamen_2015.pdf (1 MB, PDF)



Karl HOHENSINNER unter Mitarbeit von Julia GRASER: Zeitgenossen der „Mutter Courage“ – Durchreisende und ihre Namen in Grein an der Donau 1624 bis 1644. In: „Fremde“ Namen. Das Problem der slavisch-deutschen Mischtoponyme. Hrsg. von Dieter Kremer. Leipzig 2016, S. 185–214.
Download: Aufsatz_Hohensinner_Graser_2016.pdf (695 KB, PDF)






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