FAMILIENNAMEN AUF -INGER IN OBERÖSTERREICH

Familiennamen wie Aichinger und Dallinger, Hofinger und Pühringer, Reisinger und Scheuringer werden häufig als typische oberösterreichische Namen empfunden. Tatsächlich hat Oberösterreich mit rund 40 Prozent den größten Anteil an -inger-Namen unter den österreichischen Bundesländern. Auch innerhalb des Landes stellen die Familiennamen mit der Nachsilbe -inger den häufigsten Bildungstyp dar.

Die sprachwissenschaftliche Untersuchung der -inger-Namen war Gegenstand eines eigenen Forschungsprojekts, das vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF in den Jahren 2013 bis 2017 finanziert wurde. Nach Abschluss des Projekts wird eine ausführliche Publikation erscheinen, die eine Beschreibung der Namentypen, Belege zu frühen Familiennamen-Nennungen, Daten zu den möglichen Ursprungspunkten sowie Quellen- und Literaturangaben enthalten soll.

Setzt man die Familiennamen auf -inger mithilfe der „historisch-geografischen Methode“ zu bestimmten Ortsnamen in Beziehung, so ergeben sich in der Regel charakteristische Verteilungen, wobei sich die Familiennamen-Belege um einen oder mehrere mögliche Ursprungspunkte gruppieren können. Ein Großteil der Familiennamen lässt sich auf diese Weise bestimmten Siedlungen oder (Einzel-)Höfen zuordnen.

Im Hinblick auf ihre Entstehung sind bei den -inger-Namen mehrere Bildungsmuster unterscheiden, die im Folgenden kurz dargestellt werden.


1. Familiennamen als -er-Ableitungen von Ortsnamen auf -ing

In Oberösterreich gibt es eine große Anzahl von Ortsnamen, die auf -ing (z.B. Schärding, Hofing, Jeding, Roiting) enden. Die bekannteste und in der Literatur als „primär“ oder „echt“ beschriebene Bildung ist, vereinfacht gesagt, jene mit einem althochdeutschen Personennamen und einem Ableitungssuffix -inga/-ingon, das später zu -ing wird und die Zugehörigkeit einer Personengruppe bzw. einer Ansiedlung zu einer Person ausdrückt:
  • Schärding ist in einer Urkunde des Jahres 806 als Scardinga belegt, womit „die Leute des Scardo“ bezeichnet wurden,
  • Hörsching ist ursprünglich als Herigisingon belegt, was so viel bedeutet wie „bei den Leuten des Herigis“.
Für die Ableitung der Familiennamen von -ing-Ortsnamen ist es allerdings unerheblich, ob es sich um primäre oder sekundäre, echte oder unechte -ing-Namen handelt. Wichtig ist lediglich, dass zur Zeit der Familiennamenbildung der in der frühen Neuzeit -ing-Namen als solche vorhanden waren.

Abb.: Verbreitung des Familiennamens Jedinger als Ableitung zum Ortsnamen Jeding, einem -ing-Namen zum althochdeutschen Personennamen Uoto
(© Karl Hohensinner, 2016)
 

2. Familiennamen mit der Endung -linger

Bei den Familiennamen auf -linger zeigen sich drei Möglichkeiten der Entstehung:
  • Der Ursprungspunkt ist ein Ortsname auf -ling, zu dem eine Ableitung auf -er gebildet wird: Vierlinger, Sexlinger, Neunlinger usw.
  • Der Ursprungspunkt ist ein Hofname oder ein mittelalterlicher Beiname mit der Endung -ling. In formaler Angleichung an die in der Gegend häufigen -inger-Namen wird später ein -er angefügt, wodurch Namenspaare entstehen können: Grössling / Grösslinger, Preining / Preininger, Scharsching / Scharschinger usw. Manche -ing-Namen zeigen diese Erweiterungstendenz nicht oder sind im bearbeiteten Datenmaterial nicht nachweisbar: Fasching, Pfifferling, Gloning usw.
  • In Familiennamen des Typs -inger wird ein -l- eingeschoben, sodass wiederum -linger entsteht. Dabei zeigt sich eine Tendenz, dass weit von Ursprungspunkt und hauptsächlichem Verteilungsgebiet abgewanderte Namenträger häufiger eine -l-Erweiterung bilden als solche, deren Ursprungsort über Generationen hinweg in nächster Nähe liegt. Beispiele: Jetzinger – Jetzlinger; Mühringer – Mührlinger; Pimpfinger – Pimpflinger; Jebinger – Jeblinger; Starzinger – Starzlinger.
Abb.: Verbreitung des Familiennamens Vierlinger als Ableitung zum Flurnamen Vierling, einer Erweiterung des Zahlworts vier mit der Silbe -ling
(© Karl Hohensinner, 2016)
 

3. Familiennamen auf -inger als Ableitung zu Ortsnamen auf -a

Eine Reihe von -inger-Familiennamen lässt sich als Ableitung zu Orts- oder Hofnamen deuten, die mit einem Schwa-Laut enden, also ein leicht verdumpftes a im Auslaut besitzen. Sprachgeschichtlich gesehen handelt es sich dabei meist um Namen mit einem Suffix -ach, das auf mittelhochdeutsch -ahi zurückgeht und ein Kollektiv von Dingen (häufig Pflanzen) bezeichnet: Aichach ‘viele Eichen’, Buchach ‘viele Buchen’, Dornach ‘viele Dornen’, Haslach ‘viele Haselbüsche’, Steinach ‘viele Steine bzw. Felsen’. Daneben finden sich auch noch weitere Namen, deren Schwa-Endung aber auf anderen Ausgangsformen beruht (z.B. Gasta aus Gasteig).

Die Bildung von Familiennamen zu Ortsnamen auf -a erfolgt nach dem Muster der -er-Ableitungen von -ing-Ortsnamen, wobei die dort entstandene Endung -inger nun verselbständigt wird: Aichinger zu Aicha(ch), Buchinger zu Bucha(ch), Dorninger zu Dorna(ch), Haslinger zu Hasla(ch), Steininger zu Steina(ch), Gastinger zu Gasta.

Abb.: Verbreitung des Familiennamens Steininger als Ableitung zum Hofnamen Steina(ch)
(© Karl Hohensinner, 2016)
 
Stärkere und schwächere Tendenz zur -inger-Bildung

-inger-Ableitungen in Flurnamen




Hohensinner, Karl / Wöss, Bertold: ‘Vor lauter Bäumen …’ – Die unbekannten -inger. In: Names and Their Environment. Proceedings of the 25th International Congress of Onomastic Sciences. Glasgow 2016.
Download: Aufsatz_ICOS_2016.pdf (9 MB, PDF)






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