Theodor Kramer Preis 2006
Dienstag, 23. Mai 2006

Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 19.30 Uhr:

Lesung mit und über die Träger des Theodor Kramer Preises 2006 für Schreiben im Widerstand und im Exil, MILO DOR und ROBERT SOMMER
Einführende Worte: KONSTANTIN KAISER
KARL MÜLLER (Salzburg) über Milo Dor und kurze Lesung
KONSTANTIN KAISER über Robert Sommer
Kurze Lesung Robert Sommer

2006 wird der Preis zweigeteilt an den vor kurzem verstorbenen Schriftsteller Milo Dor (1923 - 2005) und an Robert Sommer verliehen. Beide - Milo Dor und Robert Sommer - be¬weg(t)en sich auch am Rande der Literatur, als Vermittler zwischen Kulturen, Übersetzer und engagierter Autoren-Vertreter. Beide sind im Grunde Schreibende, sie gehen vom Schreiben aus und kehren zu ihm zurück. Und beide stehen ein für ein Erinnern, das keine bloße Andacht ist, sondern Widerständigkeit im konkreten Feld eines an der Oberfläche harmonischen, in der Tiefe zerrissenen Landes.

Milo Dor, geboren 1923 in Budapest, stand als ein Preisträger fest, als die traurige Nachricht von seinem Ableben am 5. Dezember 2005 eintraf. Ihm kann der Preis leider nur mehr posthum verliehen werden. Als junger Mensch in Belgrad Mitglied einer Widerstandsgruppe gegen die deutsche Okkupation Jugoslawiens, lernte er Gefängnis, Folter, Deportation kennen. Letztlich erlebt er die Befreiung in Wien, wo er bleibt und in den großen Romanen "Tote auf Urlaub", "Nichts als Erinnerung" und "Die weiße Stadt" seine Herkunft und seinen Weg beschreibt. Dor setzte sich früh für die zu Unrecht Vergessenen, für die aus dem literarischen Kanon Verbannten ein, vermittelte zwischen der jugoslawischen und österreichischen Literatur, engagierte sich für die Rechte seiner SchriftstellerkollegInnen. Überzeugter Demokrat, trat er gegen eine Präsidentschaft Kurt Waldheims auf. Zuletzt noch veröffentlichte er eine Anthologie österreichischer Autoren nichtdeutscher Muttersprache.

Robert Sommer, geboren 1951 in Rotheau (Bezirk Lilienfeld/NÖ), war bisher nicht im engeren Sinn schriftstellerisch tätig, aber leistete und leistet eine bewundernswerte Arbeit, sowohl als Mitbegründer und Chefredakteur der Wiener Straßenzeitung "Augustin", als auch durch seine Publikationen und verlegerische Tätigkeit. Bewusst stellt er die Erinnerung an Verfolgte und Exilanten gegen eine Gegenwart sozialer und humaner Kälte. Über Bad Sauerbrunn - einen einstmals beliebten Kurort im Rosaliengebirge, wo viele wiener jüdische Familien den Sommer verbrachten, hat Sommer eine penible historische Arbeit die Arisierungen 1938 und die "Verfahren" nach 1945 betreffend verfasst. Zu seiner tagtäglichen Praxis gehört die als solche nicht deklarierte Schreibwerkstatt, in der Sommer Verfolgte, an den Rand Gedrängte, nach Österreich Geflüchtete zum Aufschreiben und Artikulieren ihrer Erfahrungen und Anschauungen ermutigt und ihre Texte mit ihnen bearbeitet. - Bücher u. a.: "Die verlorene Insel. Als Schulen zu Gefängnissen wurden ...". Das Buch zur Gedenkstätte Karajangasse; "Vom Grund. Stadteilarbeit im Augartenviertel".

Die 1984 gegründete Theodor Kramer Gesellschaft vergibt seit 2001 alljährlich einen Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil. Gewürdigt werden soll mit ihm nicht die literarische Qualität allein, sondern darüber hinaus die Haltung und das Schicksal der Preisträgerin oder des Preisträgers.
Mit diesem Preis wird erstmals in Österreich eine große Literatur gewürdigt, die im Widerstand und im Exil entstanden ist und entsteht. Mit dem Preis will die Theodor Kramer Gesellschaft zugleich ein Zeichen setzen, dass in Österreich nicht alles in eine Richtung verläuft, dass dies ein Land mit seinem Widerspruch ist und im Widerspruch und Ringen mit sich selbst auch weiterschreitet.
Der Preis ist nach dem großen Lyriker des österreichischen Exils Theodor Kramer (1897 - 1958) benannt und dient somit auch dem Ziel, das Interesse an dessen Werk wach zu halten. Das Preisgeld beträgt Euro 7.300,-. Der Preis wird vom Land Niederösterreich, der Stadt Wien und der Kunstsektion des Bundeskanzleramtes gefördert und von der Grazer Autorenversammlung unterstützt.

Die Preisträgerin oder der Preisträger werden vom Vorstand der Theodor Kramer Gesellschaft auf Vorschlag einer Jury, der derzeit Siglinde Bolbecher, Erich Hackl, Primus-Heinz Kucher, Eva Schobel und Daniela Strigl angehören, bestimmt. Es ist ein Würdigungspreis, um den man sich nicht bewerben kann oder muss.
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